Thomas Bernhard hat 1981 auf Mallorca dem ORF Interviews gegeben, aus denen der Sender durch kluges Herausschneiden der Fragen „Monologe auf Mallorca“ gemacht hat („Eine Herausforderung“). Es waren ungewohnt humorvolle, wenn auch angeschwärzte, manchmal auch etwas platte, berechenbare und vielleicht sogar berechnende Sätze, die alle zu hören die Zeit kaum gelohnt hätte. Wäre da nicht der letzte oder fast-letzte gewesen: „Zu Hause, da ist der Tod.“ Ja, präziser kann man es nicht fassen. Das musste gesagt, ins Bewusstsein gerückt werden, gerade jetzt, wo die Telekom droht, nicht mehr wir würden uns zum Einkauf begeben, sondern der Einkauf zu uns (s.o. Zu Hause (1) ). Einst, in der Steinzeit mussten unsere Vorfahren selig die Nahrung in freier Wildbahn erlegen, um überleben zu können. Wer zu Hause blieb, war des Todes, das Verhungern war ihm gewiss. Zu Hause wurde die Beute lediglich aufgeteilt, vielleicht auch zubereitet, also genießbar gemacht, und schließllich verzehrt. Doch sie kam nicht von selbst. Heute geht es nicht mehr um das Fressen, das Thema ist durch, jeder hat genug davon, und wer’s dennoch nicht rafft, dem rechnet ein kluger Finanzsenator vor, wie er’s anzustellen hat. Nein, heute geht es um geistige Nahrung. Und da gilt das gleiche: Wer zu Hause bleibt, kommt um. Schlimmer noch: Der wird vom Fernsehen umgebracht.
Von dieser schleichenden geistigen Auszehrung sind gerade wir Alten bedroht, es gilt also die schrumpfenden Muskeln zu straffen, um dieser Gefahr offensiv zu begegnen. Zögern wir keine Minute, begeben wir uns nach draußen, denn „etwas Besseres als den Tod findest du überall“.
PS: „Heimgehen heißt sterben, also Totsein, – zu Hause sein, tot sein.“ heißt es wörtlich. Ich habe noch einmal nachgeschaut. Und er fügt hinzu: „Sagt der Pascal schon.”