Die Zone kommt zurück. Einen ersten Schlagschatten wirft sie in den Überschriften des Berlinteils der taz: „Zonensünder müssen blechen“. Zone, na ja, kenn’n wa noch. Musste man auch blechen, Zwangsumtausch hieß das im Frontstadtjargon, wohlwollend auch Eintritt genannt. Damals waren das 30 DM, die 1:1 gegen die Ostwährung getauscht werden mussten. Und die musste man in der SBZ, kurz Zone (die Springerpresse weigerte sich standhaft, den Ausdruck „DDR“ in den Mund zu nehmen), auf den Kopf hauen. War gar nicht so übel, was man dafür alles bekam: Riesige Literatur, von den Klassikern („Mit Lenin im Herzen“ schmückte jahrelang meine Billy-Regale) bis zu großer Literatur, Bert Brecht, Anna Seghers, Christa Wolf, Schallplatten jeder Art. Der Rest reichte noch allemal für ein Rouladen-Menü in einem pseudo-bürgerlichen Restaurant, in dem man sich nicht einfach hinsetzen konnte, wohin man wollte, oder wo etwas frei war, sondern warten musste, bis man vom Personal „platziert“ wurde. Damals noch mit einfachem „z“ geschrieben.
Und wenn dann doch noch was übrig war, konnte man das auf ein Konto der Notenbank platzieren, um es beim nächsten Besuch zu verwenden. Aber es wurde natürlich von Besuch zu Besuch schwieriger, tabula rasa zu machen. Und so türmten sich noch erkleckliche Beträge auf meinem Konto, als die Zone das zeitliche segnete.
Die Zone, wo man heute sündigen kann, kostet, wie gesagt, auch Geld. Aber das Angesparte kann man dort nicht verwenden, leider. Um was handelt es sich eigentlich? Um Sünden mit Zonen-Gabi? Naja, das ist wohl ein für allemal vorbei. Nein, man muss blechen, wenn man ohne grün-gelb-rote (Ampelkoalition!) Plakette in eine Umweltzone einfährt, die sich über Teile von Ost- und West-Berlin erstreckt. Und dieses Geld ist ein für alle Mal dahin, perdu, nix mit Rinderroulade oder Gastmahl des Meeres plus Oktoberlied. Heute kostet es 40 Euro, wenn man ohne Plakette in diese Zone einrollt. Einfach so, ohne Gegenleistung.Ach, was waren das noch für Zeiten, als man für 30 DM, also 15 Euro, in der Zone, auch ohne Gabi, wie Gott in Frankreich leben konnte zu sozialistischen Preisen. Ein bisschen von diesem Geist west aber auch heute noch in uns: Geiz ist geil!
PS: Mein antizyklisches Zeitungslesen förderte dann noch einen älteren Artikel zu Tage, der in seiner Überschrift bereits auf das unterschwellige Bewusstsein vom Fortbestehen der deutschen Teilung hinweist: „Polizei soll Zone kontrollieren“, heißt es in der taz, gar nicht einmal so doppeldeutig.