„Stuntshow“ auf großer Bühne. Der Nervenkitzel treibt die Leute in den Saal. Die sommerliche Hitze ist für einen Moment vergessen.

Früher hatten das „Exoten“ und Menschen mit monströsen Fehlbildungen („Dame mit Bart“, „Liliputaner“ leisten müssen. Ob Exotismus eine Fehl- bildung ist? Heilbar jedenfalls scheint er nicht zu sein. Zumal die Leute (Publikum) ohnehin nur das sehen, was sie sehen wollen. Aber er spielt def- tige Gewinne ein. Und das ist sakrosankt.

Heute haben Exoten und Monster ihren Schrecken eingebüßt, sie sind all- täglich, somit normal geworden. Jagen dir keinen Schauder mehr über den Rücken. Da muss dann schon kräftigerer Tobak gestopft werden, damit die Leute anbeißen. Und nur darum geht es.

Vorbei also die Zeiten, da Gruselgeschichten die Klimaanlage ersetzen? „Ersetzen“ ist vielleicht das falsche Wort, eher: „antizipieren“. In Japan, einem Land mit feucht-heißer Witterung, jedenfalls im Sommer, spielten die Theater in dieser Jahreszeit vorzugsweise Gespensterspektakel, um neben dem Gemüt auch den Körper des Zuschauers zu kühlen. Heute werden noch immer solche Gespensterstücke gezeigt, aber in klimatisierten Theatern. Der ökonomische Mehrwert altvorderer Programmgestaltung scheint vergessen.