Wulff und kein Ende. Der Bundespräsident, unser Ersatzkaiser, droht zur Lachnummer zu werden. Sogar Wetten um seinen Verbleib im Amt kann man schon abschließen. Doch was ist schlimm daran? Waren unsere Staatsoberhäupter nicht immer schon Karikaturen ihrer Bestimmung? Mal ganz abgesehen von Wilhelm Zwo. Auch was danach kam, war ja nicht gerade dazu angetan, einen vom Hocker zu reißen. Eins, zwei Ausnahmen vielleicht. Vor allem der, der seine Frau, nicht den Staat liebte. Er hat einen Weg gewiesen, auf dem es sich hätte gut gehen lassen.

Wer glaubte mit der Abschaffung der Erbmonarchie und der Einführung des Wahlkanzlertums sei das Inzuchtproblem gelöst, sieht sich getäuscht. Denn es sind die Motten aus dem immergleichen Stoff, die zum Licht drängen. Vielleicht sind das Problem ja gar nicht so sehr die Gewählten als vielmehr die Wählenden. Wer hat sich denn diese explosionsartige Mehrung der Kurfürsten ausgedacht?

Wie dem auch sei, Wulff kommt aus seinem persönlichen Dilemma der vermuteten Vorteilsnahme nicht mehr heraus, so wie die Dinge gelaufen sind. Er hat nur eine Chance, indem er nämlich den Spiess umkehrt: Gleiches Recht für alle – Vorteilsnahme für jeden! Also nicht: Quod licet Iovi, non licet bovi –, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Quod licet Iovi, etiam licet bovi. Also her mit den billigen Hypotheken, den einzufahrenden Autos und den preiswerten Ferienwohnungen! (Und den kleinen Französinnen?) Hat er doch geschworen, er wolle seine „Kraft dem Wohl des deutschen Volkes widmen, seinen* Nutzen mehren“ etc.

Vielleicht überlegen sich dann die Wahlmänner und –frauen der Bundesversammlung beim nächsten Mal besser, wen sie küren.

* Durch die Wahl der Form des direkten Zitats hier könnte es zu einem Missverständnis kommen: „seine“ bezieht sich auf das deutsche Volk, nicht auf Christian Wulff“.