Seit einigen Jahren ist der U-Bahn-Fahrgast in Berlin der Zwangslektüre einer lokalen Tageszeitung ausgesetzt. Das ist ein ziemlich unerfreuliches Geschäft, und so gleitet bald schon der Blick wieder über die Gesichter der Mitfahrenden. In ihren Gesichtern zu lesen, erfordert zwar einige Übung (und Erfahrung), ist aber auch viel unterhaltsamer.
Doch manchmal graben sich Formulierungen der Metro-TV-Texte ins Gedächtnis. Besonders delikat wird es, wenn, – ohne dass es einen Zusammenhang gäbe – , zwei Überschriften nebeneinander stehen, etwa nach dem Muster der legendären Spiegel-Bestsellerliste von vor einigen Jahren, als Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ auf Platz 2 gefolgt wurde von dem Buchtitel eines anderen Autors, der da lautete: „Ich nicht“.
Beim heutigen Metro-TV erschienen zwei Überschriften zu dem selben Bericht: „Merkel besucht die Nationalelf“ und „Mertesacker zuversichtlich“.
Ein drastischeres Abwatschen der aktuellen Regierungspolitik lässt sich kaum denken. Dass sich beide Aussagen tatsächlich auf unterschiedliche Sachverhalte beziehen, – wem kommt das schon in den Sinn?