In dem Film „Saturn Returns“ ziehen dessen „bohemistische Helden“ durch Berlin-Kreuzkölln, wo sie ihren „Postpunkhedonismus“ ausleben. In dem Film seien viele Momente des Fremdseins und der Irritation, schreibt Detlef Kuhlbrodt in der taz. Die zugewanderten Protagonisten reden ständig, es fallen „Sätze, über die man nachdenkt: dass der Plan, das Stadtschloss wieder aufzubauen, ein migrantenfeindlicher Akt ist, weil er auf eine Zeit rekurriert, in der es kaum Migranten in Berlin gab.“
Wird Berlin als Heimat der Fremden in letzter Konsequenz zur geschichtslosen Stadt? Das erinnert mich an eine Frage, die mich schon seit längerem zyklisch beschäftigt: Wie geht ein Migrant oder Migrations- hintergrundler mit der Nazivergangenheit um? Ist es auch seine Vergan- genheit? Oder kann er sie unbeschadet jenen überlassen, die dafür zuständig sind, uns Alteingesessenen? Dass die Vereinigung beider Deutschlands aus Migrantenperspektive ganz anders gesehen wird als aus deutscher, hat sich ja schon herumgesprochen. Wir sind es gewöhnt, das Integrationsproblem immer nur auf einer synchronen Ebene zu diskutieren. Aber es hat auch eine diachrone Dimension und die ist meines Wissens bisher kaum bedacht worden.
Und was entsteht eigentlich, wenn alle, die sich auf Dauer oder auch nur vorübergehend in Berlin einrichten, ihre eigene/n Geschichte/n mitbringen? Wächst nicht auch uns Nichtmigranten auf diese Weise eine neue Identität zu? Doch dazu müssten auch wir in das migrantische Leben eintauchen, deren Geschichte/n zu der/den unseren machen. Sind wir dazu bereit? Sich integrieren heißt ja, etwas von seiner Identität zugunsten einer anderen aufgeben. Wollen wir das? Tatsächlich wird Integration nicht nur auf einer synchronen Ebene diskutiert, sondern auch in nur einer Richtung.