Norwegen wurde zum Schauplatz einer entsetzlichen, offenbar politisch motivierten Bluttat. Die Zahl der Todesopfer konnte noch nicht genau festgestellt werden, da einerseits noch nach Vermissten gesucht wird, andererseits einige Schwerverletzte mit dem Tod ringen.

Der Täter ist gefasst, wohl auch geständig, offensichtlich ein politischer Wirrkopf, ein Fall für die Klapsmühle, so dass zu befürchten steht, dass er in der Psychiatrie landet und nicht im Knast.

Auffällig wird in der Berichterstattung dem Täter das Attribut „blond“ angeheftet. Ich kann mich an keinen Kriminalfall erinnern, wo ein Körpermerkmal für die Kenntlichmachung einer bestimmten Person oder deren Einordnung eine Rolle gespielt hätte. Hieß es irgendwo: „der kahlköpfige Pianist“ oder „der weißhaarige Diplomat“ oder „der rundliche General“? Gut, bei Königen kam das schon mal vor, aber das ist ziemlich lange her.

Solche äußerlichen Merkmale zu betonen, ist eigentlich nur einer Geschichtsschreibung aus sicherer zeitlicher Distanz zugestanden, man denke nur an die körperlichen Merkmale, die allein Napoleon zugeschrieben wurden. Der Grund ist, dass mit diesen Merkmalen bestimmte Verhaltensweisen des Franzosen erklärt oder zumindest verständlich gemacht werden sollen.

Und was soll das Blondsein des Norwegers uns sagen? Richtig: Dass er „richtiger“ Norweger ist und keinen Migrationshintergrund besitzt. Denn Emigrierte sind ja bekanntlich nicht blond, sondern schwarz. Wenn sie denn überhaupt Haare haben. Der ganz alltägliche Rassismus eben. So wie bei Sarrazin. Der konnte es nur viel eloquenter ausdrücken.

Abgesehen davon, dass die Gleichung Migrant = unblond nicht aufgeht (ich habe auch einen solchen Hintergrund, – auch wenn der schon 250 Jahre alt ist – , bin aber dennoch blond; na ja, ich war es mal), abgesehen von dieser statistischen Unstimmigkeit also spricht aus dieser Formulierung eine ziemlich schlimme Denke: Wenn solch ein Massaker passiert, stellt man sich den Täter mehr oder weniger automatisch als Ausländer oder Quasi-Ausländer vor. Um dieser Rassismus-Spielart nicht zu verfallen, gibt man sich der anderen hin: Blondsein als Indiz endogener extremistischer Gesinnung.

Im Europa des beginnenden 21. Jahrhunderts, das nach Jahrhunderten, randvoll gefüllt mit Kriegen, Landnahmen und ethnischen Säuberungen, sich gerade daran macht, die alten Vorstellungen von Nation durch Konzepte eines multikulturellen Zusammenlebens (ohne Leitkultur!) zu ersetzen, sollte kein Platz sein für derartige Blondeleien. Was man dem Leser mitteilen will, ist folgendes: 1. Der Täter ist Norweger. 2. Er gehört dem rechtsextremen (nationalistischen) Spektrum an, das sich gegen den Zuzug von Ausländern vor allem aus dem islamischen Kulturkreis positioniert. Das soll man dann auch so sagen. Alles andere (Alter und Haarfarbe) gehört nicht hierher. Jedenfalls nicht in diesen Zusammenhang.

Für ein Ende der Diskriminierung blonder Norweger!