Einst tourte Westerwelle, der Wahlkämpfer in einem Wohnwagen („Guidomobil“) durch die Republik. Heute, da er nicht mehr wahlkämpfen muss, kann er sich auf bequemere Weise fortbewegen. Zu den avisierten 18% hat es zwar nicht gereicht, dennoch, ein satter Zugewinn seiner Partei hievte ihn auf den Stuhl des Außenministers der Bundesrepublik Deutschland.
Da er zugleich sein Amt als Parteivorsitzender aufgeben musste, darf er sich nicht mehr zu innenpolitischen Themen äußern, darf – unter anderem – den Hartz IV-Empfängern nicht mehr spätrömische Dekadenz vorwerfen, sondern hat sich qua seines einzigen verbliebenen Amts auf die deutsche Außenpolitik zu beschränken.
Da aber gibt er erstaunliche Einschätzungen ab. Zu den im Maghreb und Vorderen Osten ausgebrochenen Aufständen weiß er zu vermelden: „Wir haben uns alle sehr gefreut.“ Er hoffe, – skizziert er seine Einschätzung der Lage in Ägypten -, auf den ägyptischen Frühling folge nun ein Sommer und kein Rückfall in den Winter. Was allerdings die außenamtlichen Meistermetaphoriker dabei übersehen haben, – ganz abgesehen von der geringen meteorologischen Wahrscheinlichkeit – , ist die Tatsache, dass die Winter in Nordafrika recht angenehm sind, die Sommer dagegen die Tatkraft der Menschen vor Hitze eher lähmt.
Vielleicht hätte er den Ägyptern sein Rezept für mehr Steuergerechtigkeit undeinfachheit verraten sollen. Gibt es überhaupt in dieser Gegend Bierdeckel? Oder worauf schreiben die ihre Steuererklärungen?