„Oh, Isis“ jubeln die einen auf, „Oh, Iris“, vermeint man die anderen einfallen zu hören! Und das in der internationalen Politik, an einem der blutigsten Brennpunkte internationalen Geschehens! Denn Isis ist gut, daran gibt es nichts zu deuteln.

Was ist geschehen? Hat das Gute die Oberhand im Kampf um die Herzen der Menschen gewonnen? Und plötzlich ist der Sendbote des Guten, Mozart, in aller Munde. Beethovens von Schiller inspirierter Forderung nach „anderen“ Tönen scheint sich durchzusetzen: ISIS ist auf dem Vormarsch. Isis? die Göttin der Geburt und Wiedergeburt und somit von zentraler Bedeutung im Himmel des ägyptischen Pharaonenreichs, die als Göttin der Gattentreue noch bis in die späthellenistische Zeit hinein höchste Verehrung geniesst?

Was ist hier eigentlich los? Mozart verdanken wir zwar die Kenntnis des Namens der Göttin, doch mit der hat die aktuelle Meldungsflut rein gar nichts zu tun.

Mozart selber würde sich allerdings über die Umstände des Wiederauftauchens der Gottheit heute sehr wundern. Natürlich ist es nicht der Name des Göttin, vielmehr ein Kürzel und das steht dieses Kürzel für „Islamischer Staat im Irak und Syrien“, eigentlich der englischen Fassung: „Islamic State Iraq & Syria“. Doch vielleicht ist die Namensgleichheit nicht ohne Bedacht gewählt?

Von wem stammen eigentlich Name und Kürzel? Ist es die Eigenbezeichnung dieser „Terroristentruppe“, „Terrorgruppe“, „Terrormiliz“ oder Dschihadisten, wie sie in der Presse je nach Ausrichtung genannt wird? Eher nicht, denn die sprechen arabisch. Und es wäre schon ein unerhörter Zufall, wenn die arabische Selbstbezeichnung dieselbe Kurzform hergeben würde. Es handelt wohl um den englischen Namen. Hat man sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was die Namensgebung eines – sagen wir mal internationalen Ereignisses für dessen Einschätzung bedeutet?

Damit kommen wir zu einem neuen Phänomen: Nicht nur die Informationen über die Kriege weltweit (zumindest so weit die USA involviert sind), auch das Bildmaterial dazu (etwa der Golfkriege) stammen aus den USA und deren offiziösen Agenturen, auch die Namensgebung folgt amerikanischer Praxis.

Mit anderen Worten: Wir verfolgen die Kämpfe aus der amerikanischen Sichtweise, geben den Parteien Namen, die man sich in den USA ausgedacht hat und machen uns ein Bild nach amerikanischen Vor-Bildern. Kann man sich bei so viel amerikanischem Impact überhaupt noch ein eigenes, unabhängiges Bild machen?

Es ist alles nur eine Frage des Geldes. Nur wer das bezahlen kann, kann unabhängig berichten. Das wusste man schon zu früheren Zeiten: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.