Ursula von der Leyen ist seit kurzem Verteidigungsministerin. Die erste, die wir haben. Wie wird sie ihre Akzente setzen?

Der Geheimflug nach Afghanistan mit anschließendem Frühstück bei der Truppe blieb eher im Rahmen des Gewohnten, da müssen alle neuen Verteidigungsminister durch. Doch das Unerwartete ließ nicht lange auf sich warten: Frau von der Leyen will die Bundeswehr familienfreundlicher machen.

In einschlägigen Kreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass die wechselnden Einsatzorte der Bundeswehr ein zunehmend gravierender Negativfaktor bei der Anwerbung von militärischem Nachwuchs darstellen. Die jungen Leute sind nach dem Bau eines Einfamilienhauses am Rande der Lüneburger Heide unwillens, die Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Einstmals, so argumentieren sie, sei es Auftrag der Truppe gewesen, das Vaterland dort zu verteidigen, wo es sich befindet. Doch seit jenem 11. September ist alles anders geworden, denn das Vaterland kann nun geographisch mehr oder minder beliebig verortet werden. War es erst Afghanistan, kamen dann das Horn von Afrika hinzu, heute steht Mali an und so geht es munter weiter. Für den bildungshungrigen Bundi ein gefundenes Fressen, doch seit der Erfindung des Handy liegen ihm Tag für Tag wehleidige Ehefrauen, Eltern oder Kinder in den Ohren, doch endlich heim zu kommen. Das Siedlungshäuschen sei schließlich auch bedroht – von vagabundierenden Rumänen und anderen Bulgaren.

Das ist die Lage, die Frau von der Leyen bei Amtsantritt vorfand. Drei Lösungsmodelle seien ihr mit auf den Weg gegeben:

1. Die Einsätze werden wie beim Fußball in Heim- und Auswärtsspiele unterteilt. Jede nationale Wehrmacht hat innerhalb eines noch festzu- legenden zeitlichen Rahmens gleich viele Heim- und Auswärtseinsätze zu absolvieren. So ist eine Mindestpräsenz des Familienvaters daheim gewährleistet. Modell premier league.

2. Der Auslandseinsatz wird zum Regelfall (Achtung: nicht vergessen, die Verfassung umzuschreiben!), die Einsatztruppe logiert in den Häusern, die ihre ebenfalls auf Auslandseinsatz befindlichen Kollegen zurückgelassen haben. Das hätte den Vorteil, dass das im Quartier befindliche Mobiliar nebst Ehefrau etc. von den Logiergästen mitbenutzt werden könnte. Spart Kosten! Modell war theater hopping.

3. Kriege und andere bewaffnete Konflikte werden auf einem international zu vereinbarenden Gelände (etwa in Afrika) ausgetragen. Das gewährleistet eine lange Präsenz vor Ort und würde erlauben, dass die Soldaten dort Häuser bauen und Familien gründen könnten. Die Familie würden zusammenbleiben, Angehörige könnten ihren Ehepartnern etc. dabei zuschauen, wie sie ihr Kriegshandwerk ausüben. Das könnte auch ökonomische Impulse freisetzen, etwa in Form von lokalen Medien, die zeitdeckend über den Fortgang der Kampfhandlungen berichten würden, Senderechte werden weltweit vertrieben. (Schaffung von Arbeitsplätze, zugleich Entwicklungshilfe!). Es käme zu einer brancheninternen Differenzierung zwischen Kriegshandwerkern und Kriegsmaulwerkern, eine wesentlicher Voraussetzung für Wachstum durch wechselseitige Stimulation. Modell death ticker. Würde auch die Wiederverheiratung von Witwen erleichtern, da Umzugskosten auf ein Minimum gesenkt werden könnten. Wer zweifelte daran, dass Frau von der Leyen die Idealbesetzung für diesen Posten ist. Als ehemalige Familien- und Arbeitsministerin weiß sie nur zu gut, dass Krieg ein Wirtschaftsfaktor ist, der umfassend mit dem Privatleben ihrer Schützlinge verzahnt sein muss, um seine Synergieeffekte zu optimieren. Dadurch könnten auch die Folgen der bedauerlichen Regression der letzten beiden Jahrzehnte (Auflösung der Blöcke in Europa) sukzessive kompensiert werden.

Langzeitperspektivisch ist auch eine Privatisierung der Armeen vorstellbar, wodurch es zu einer echten Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Anbietern (Provider) kommen würde. Dies ist, so viel wissen wir aus der Geschichte, ein Garant für Prosperität und damit Vollbeschäftigung. Die zu erwartenden hohen Opferzahlen machen überdies den Weg frei für nachrückende Kader, so dass es nicht zu karrierehinderlichen Engpässen kommen wird.