Ich habe mich bei der Deutschen Bahn (DB) beschwert. Nein: Ich habe mich beschweren wollen. Da ich aber eigentlich ein Hasenfuss bin, zerfloss mein Mütchen mit dem Verrinnen der Zeit bis zur dead line. Es kam, wie es so oft kam: Ich unternahm – gar nichts.

Da schaltete sich meine Tochter ein und rief die DB an, Das Ergebnis:

Die DB knickte ein und gewährte mir einen Kulanzgutschein. Das bekräftigte sie zusätzlich schriftlich, also in einem echten Brief. Da las ich:

„Sehr geehrter Herr Foljanty,

vielen Dank für das freundliche Telefonat am 22. Dezember 2015 mit Ihrer Tochter. …]“

Wie bitte? Ich rieb mir die Augen. Doch der Text blieb. Da bedankt sich jemand bei mir für ein Telefonat, das er gar nicht mit mir geführt hat! Ist das die feine alte Art, wo man sich für die Taten der Kinder bei den Eltern bedankt, für die guten Taten, aber konsequenterweise auch für die bösen? Das nennt man dann allerdings meist auch nicht „bedanken“. Eltern haften für ihre Kinder – mal von der anderen Seite.

Ich war wirklich verblüfft, so viel an Courtoisie hätte ich von niemandem erwartet, schon gar nicht von einer – wie auch immer – Behörde. Seither fahre ich Bahn mit einem gesteigerten Gefühl, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben.

Vor einigen Tagen sprach ich mit einem Freund darüber. Der hatte nur ein gequältes Lächeln übrig für die angebliche Courtoisie und sagte verständnisvoll „Ach ja, da hat jemand mal wieder vergessen, die Textbausteine abzuschalten.“

Da will man schon mal das Gute im Anderen sehen …