Wenn die Koffer verstaut sind und auch die Passagiere, wenn die für erforderlich erachteten Durchsagen durchgesagt worden sind, wenn das Anlegen einer Schwimmweste erklärt worden ist (aber nicht geübt: ich möchte nicht wissen, wie viele Passagiere Opfer einer Notwasserung geworden sind, nur weil sie nicht in der Lage waren, den Nippel durch die richtige Lasche zu ziehen.) Wenn also alles getan ist (und auch der Captain seinen Senf dazu gegeben hat: dann kann sich der Passagier in sich selbst zurückziehen.

Konnte! Denn auf meinem letzten Heimflug nach Berlin lief es anders: Da folgte nämlich über den Bordfunk ein Spendenaufruf zugunsten UNICEF. Die Besatzung dieser Maschine kündigte an, einen Spendenbeutel durch die Reihen der Passagiere wandern lassen zu wollen, dessen Inhalt sie an UNICEF weiterleiten wolle.

UNICEF ist gut, gar keine Frage. Doch sind nicht auch „Motz“ und „Straßenfeger“ gut? Und was ist mit den Musikern? Den wenigen guten und vielen schlechten? Haben sie nicht auch etwas vom Kuchen verdient? Wo fängt das Geldsammeln an, wo hört es auf? Irgendwie fürchte ich mich schon vor dem Tag, an dem die wohlbekannte Stimme aus dem Hintergrund der Kabine ertönt: „Guten Tag, meine sehr verehrten Herrschaften, ich bin der Martin und bin aus meiner letzten Wohnung auf die Straße gesetzt worden, weil ich …“ Es folgen Schuldbekenntnisse, Besserungs- versprechen mit Erfolgsgarantie. Und jede Menge arschkriecherische Wünsche für den vor uns liegenden Resttag. Als ob S-Bahn-Nutzer Anlass hätten, Gutes von der Zukunft zu erwarten!

Bis schließlich der Spuk von einer peruanischen Flötentruppe hinweggefegt wird.

Die S-Bahnisierung des Luftverkehrs ist durch die Niedrigpreisstruktur der Tickets eingeleitet worden, hoffen wir, dass es dabei bleibt und technischer Zustand sowie Wartungsqualität des Fluggeräts sich nicht an der S-Bahn orientieren. Wenn dann noch die Jungens von der Motz angetanzt kämen – ich könnte für nichts garantieren.

Der angekündigte Klingelbeutel kam übrigens nie bei mir an. Vermutlich sind Flugpassagiere in ihrer Mehrheit gar keine Gutmenschen.