Der Winter ist einer der großen Feinde des Menschen. Um die Heraus- forderungen zu meistern, vor der er sie stellt, haben Menschen aller Epo- chen nicht gezögert, allerneueste Technologie einzusetzen. Ehe der Mensch lernte, Feuer zu entfachen und mit ihm umzugehen, dürfte eine erhebliche Zahl der Stammesmitglieder der Kälte zum Opfer gefallen sein. Man(n) kann halt nicht drei oder vier Monate lang Liebe machen, nur um die Wärmeerzeugun. Und auch das Warten auf den nächsten Bärenpelz durchstanden viele nicht.
So versuchten die Steinzeitmenschen, klimatisch bevorzugte Siedlungsplätze zu finden. Das Problem: Die Konkurrenz war groß. Erst als sich die Vorratswirtschaft durchsetzte, wurde es möglich, systematisch und in ausreichender Zahl wärmende Kleidungsstücke und Strohbetten herzustellen.
Der weitere Gang der Dinge dürfte hinreichend bekannt sein, wir überspringen ihn deshalb. Heute ist das A und O effektiver Wintervorsorge die Heizung (natürlich im Zusammenklang mit Wärmedämmungsmaßnahmen und sparsamem Umgang mit Energie aller Art.)
Was aber tun, wenn die Heizungsbauern eine schicke neue Therme instal- liert haben, um dir dann nach feierlicher Minimalunterweisung ein mehrere hundert Seiten starkes Manual (dass ein durchschnittlicher Hausmann keine fünf Minuten zu halten vermag) überreichen.
Doch es ist nicht die Größe und Schwere, von denen her mein Ausschluss aus der Evolution droht. Es ist auch nicht die Vielzahl der Sprachen, in denen ich mich informieren kann, oder die Vollständigkeit früherer Versionen – nein, es ist schlicht und einfach die Sprache selbst, die mein Überleben des kommenden Winters in Frage stellt. Wissen Sie, was „Steilheit“ bedeutet? (Ja,ja, Steilheit und nicht etwa Geilheit, die kennt ja jeder.)
Was halten Sie von dem folgenden Satz: „Ab einem, im WCM-Sol eingestellten solarem Ertragsniveau wird das Nachheizen (Wärmeanforderung) durch den WTC unterdrückt, bis die aktuelle Raumtemperatur unter die Raumsolltemperatur abzüglich des hier eingestellten „Akzeptanz Raum“ [sic !] gefallen ist. Der Mischer versucht weiterhin auf die eingestellte Raumsolltemperatur zur regeln.“ Hoffentlich bleibt es nicht bei dem Versuch!
An anderer Stelle wird das Manual geradezu poetisch. Beim Bedienen muss man sich durch verschiedene Menüs navigieren. Wir kennen das damit ver- bundene Potential an Missverständnissen von unzähligen digitalen Geräten. Auch bei dieser Heizungsanlage scheint das nicht anders zu sein. Doch plötzlich bin ich bei den Menüpunkten „Warmwasser“ und „Urlaub“ – was ist geschehen?
Wer Lust auf weitere sprachliche Leckerbissen aus dem Handbuch-Deutsch hat – bitte schön, das Gerät kostet ja nur 6.000 €. Ich jedenfalls erwäge, einen Kältetod der sprachlichen Diarrhoe vorzuziehen.