mit Günter Grass
Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende eine neue Form der Zeitung stehen wird.
Es ist die behauptete Pflicht auf ästhetisch befriedigende Aufmachung der übelsten Nachrichten selbst, die von den Maulhelden einer neuen journalistischen Sachlichkeit gefordert und teilweise vorab verwirklicht worden ist, indem sie diesen Nachrichten eine Aura der harmonischen Süße, des glanzvollen Klanges verleihen.
(Und wer, verdammt noch mal, gebietet mir, auf das nahe liegendste, das eindeutigste aller Satzzeichen, das Fragezeichen, zu verzichten? Ist es die törichte Eitelkeit des Epigonen, dessen Exerzitien in Hochmut sich an dem des Meisters messen, selbst wenn dessen eintrocknende Tinte nicht mehr ausreicht, zwischen Aussage und Frage zu unterscheiden?)
Doch ein Anfang ist gemacht, drei der banalsten Meldungen des Tages sind als Gedicht erschienen, zwar nicht in der Form eines solchen, aber in dessen Geist. Eine Tageszeitung, bestehend aus Gedichten – das ist der Beginn einer neuen Ära journalistischer Evolution.
Und wenn es gar um ein Gedicht sich handelt, das verweigert die sklavische Unterwerfung unter strenge Regeln für Takt und Laut, so bedarf es keines personellen Wechsels in der Redaktionsbelegschaft, um die bisherige Arbeit auch in den Regionen einer höheren Darreichungsform fortzuführen.
Nur so ist auch den hartleibigsten Vertretern nachrichtentauglicher Sachlichkeit nahe zu bringen, dass Schönheit nicht zwangsläufig ein Antipode der Sachlichkeit sein muss. Und Gedicht all das sein kann, was Sein, des Meisters hehrer Atem behaucht hat.