Heute wird in Afghanistan ein neues Parlament gewählt, erstmals seit 2001. Es ist der erste demokratische Machtwechsel seit 13 Jahren, jubiliert die Träller-Presse. Der bisherige Präsident darf – so will es die Verfassung seines Landes – nicht mehr kandidieren. In anderen nahöstlichen Potentaturen hätte man in einem derart krassen Fall von Diskriminierung die Verfassung geändert. Dass man das nicht getan hat, fordert Respekt.
Es fällt schwer, den Satz vom „demokratischen Machtwechsel“ ohne Schluckbeschwerden hinunterzuwürgen. Ganz abgesehen von dem Zusammenwirken von „demokratisch“ und „Machtwechsel“. Die Macht in einer Demokratie liegt bekanntlich (siehe das Wort selber!) beim Volk. Wird nun also das Volk ausgewechselt?
Doch das sind Bagatellen, mit denen wir uns nicht länger aufhalten wollen. Kann man aber von einem Machtwechsel und schon gar von einem demokratischen sprechen, wenn der bisherige Macht(in)haber, Karsai, zum ständigen Sonderberater der neuen Regierung berufen werden soll? Oder ist das nur ein neues Format der klassischen Diktatur? Aufschlussreich war die Zusatzmeldung im rbb-Inforadio, es könne noch etwas dauern, bis das Endergebnis der Wahl vorliegt. Warum wohl?
Zwei Gründe fallen mir spontan ein:
– Die Wahlhelfer müssen erst noch einen Spezialkurs in Elektional-Mathematik absolvieren. Um die Durchführung dieses Kurses den Deutschen zuschustern zu können, müssen die erst noch ihre PISA-Noten liften.
– Es dauert halt seine Zeit, bis das ermittelte Ergebnis mit dem erwünschten in Einklang gebracht werden kann.
Das sei politisch unkorrekt? Na, ich bitte Sie, wo sind wir denn!