István Szabó drehte 1981 „Mephisto“ nach Klaus Manns gleichnamigem Roman (Schlüsselroman über Gustav Gründgens). Vor mehr als zehn Jahren habe ich einen Teil des Films beim Zappen im Fernsehen erwischt. Das, was ich da gesehen habe, hat sich in mein Gedächtnis tief eingebrannt. Nun habe ich ihn im Kino wiedergesehen – ein beeindruckender Film über Opportunismus und Arschkriecherei aus Karrieregeilheit. Und ein erhellender Beitrag zur Frage, warum das deutsche Volk den Führer so heftig liebte.
Eine Sequenz hat mich besonders aufmerken lassen: Als der „Ministerpräsident“ (Göring) nach der Machtergreifung dem Protagonisten Höfgen / Gründgens die Intendanz des Preußisches Staatstheaters anbietet, ist aus verschiedenen Mündern von der „deutschen Kultur“ die Rede, die zu retten und wieder in ihre angestammte identitätsstiftende Rolle einzusetzen es gelte, um dem deutschen Volk seine innere Stärke und Orientierung wiederzugeben. So nachdrücklich, dass man fast ein bisschen das „Leit“ vor der Kultur vermisste. Immerhin reichte es noch zu einer gefühlten Leitkultur.
Vielleicht dreißig Menschen saßen im Publikum, als ich den Film sah. Nicht genug, fürchte ich, um dem deutschen Volk den Zusammenhang zwischen dem Denken damals und bei einem Teil der Politiker heute nachvollziehbar zu machen.
Übrigens wurde die seinerzeit propagierte neue Förderung der deutschen Kultur schroff gegen die Dominanz der jüdischen gestellt. Wie steht es, so gesehen, um die angeblich christlich-jüdischen Wurzeln der deutschen Kultur?