Toll, die Berichte von Nora Mbagathi aus Kairo. Sie sind frisch, lassen die Stimmung unter den jungen Leuten auf dem Tahrir-Platz und in den Quartieren um ihn herum aufblitzen, ihre Zuversicht und Hoffnung, aber auch die Unsicherheit, Angst und manchmal auch Resignation spüren. Sie erklären, kommentieren nichts, schildern das, was ist, und eben darum wirken sie lebendig, scheinen kurzum authentisch.
Eine ganze Kleinigkeit im heutigen Bericht (9.2.) hat das schöne Bild getrübt. Nora wird von einer Zivilkontrolle angehalten, muss ihren Pass zeigen, sie ist Deutsche. Die Milizionäre sind von der „andersartige[n] Schrift meines vietnamesischen Visums“ in ihrem Pass irritiert, fragen nach, ob das nicht Hebräisch sei. Schließlich löst sich alles in Wohlgefallen auf: „Wir brauchen dich.“
Vietnamesische Schrift? Ja, es gab mal eine, Vietnam (übersetzt: „Jenseits im Süden“, ganz in der Tradition chinesischer Namensvergabe an Nachbarländer) war lange Zeit chinesische Kolonie. Selbstverständlich wurde von den Eliten die chinesische Schrift verwendet. Aus ihr entwickelte sich eine nationale Variante, Nôm. Als die Franzosen Indochina kolonialisierten, setzten sie die Lateinschrift dagegen, die, mit diakritischen Zeichen für die sechs Töne des Vietnamesischen versehen, 1910 zur offiziellen Schrift erklärt wurde. Dabei ist es trotz aller Umbrüche und Revolutionen geblieben, – bis heute.
Dem Leser etwas unterzujubeln, nur weil der Ort des Geschehens weit weg und der Sachverhalt daher schwer nachprüfbar ist, das ist dann doch etwas provinziell gedacht. Hoffen wir nur, dass Nora es in Sachen Ägypten auch mit Kleinigkeiten genauer nimmt, selbst wenn diese sperrig sind und nicht stromlinienförmig ins Bild passen wollen. Vielleicht, Nora, warst du ja in Thailand? Was das für einen Unterschied macht? Außer der Sache mit der Schrift den der Glaubwürdigkeit.