Die S-Bahn in Berlin hat es derzeit schwer. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Störung gemeldet würde. Spott und Häme folgen auf dem Fuß. Der trockene, sarkastische Berliner Humor, der ideale Nährboden für das politische Kabarett, wie es einst, vor allem in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn der Naziherrschaft Triumphe feierte, stand hier wohl Pate. Es wird mir immer unbegreiflich bleiben, wie eine derart vom Geist des Liberalismus, der Selbstironie und vom klaren Blick für das politisch Korrekte durchtränkte Gesellschaft so desaströs versagen konnte.

Wenn zu den täglichen Schadensmeldungen des ÖPNV allerdings noch Nachrichten über eine Erhöhung der Fahrpreise hinzukommen, stößt auch der Berliner Sarkasmus an seine Grenzen. Oder er läuft zur Höchstform auf.

Das Inforadio fing einen solchen Moment im O-Ton ein. Befragt, was er von den geplanten Preiserhöhungen halte, erklärte ein wartender (und vermutlich bei den herrschenden Temperaturen auch frierender) Fahrgast (welch zynisches Wort!): „Find ick prima! Jetzt wird unser Warten noch wertvoller.“