Die Kanzlerin habe sich hinter ihren Verteidigungsminister gestellt, berichtet die Tagesschau. Wie bitte? Soll Gutti jetzt Angie beschützen? Hier hat wohl jemand etwas gründlich missverstanden. Denn der Minister ist nicht dazu da, die Kanzlerin zu verteidigen. „Ihr“ Verteidigungsminister ist er nur deshalb, weil er ihrem Kabinett angehört.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Merkel will Guttenberg als ihren politischen Mitspieler beschützen, von wegen im selben Boot sitzen und so. Das braucht der Guttenberg auch, denn der steckt ganz schön in der Bredouille. Hat er doch den Kapitän eines Segelschulschiffs geschasst, nachdem er noch kurz zuvor dafür keinen Anlass gesehen hatte. Doch dann hat eine Zeitung dessen Rausschmiss gefordert, und der Minister machte sich ein neues Bild. Nicht gerade ein Muster an Führungskompetenz! Aber so richtig traut man der Kanzlerin offenbar nicht zu, dass sie, wie Ziethen aus dem Busch stürmend, ihren Minister tatsächlich zu retten gewillt ist. Denn mal (Tagesschau) steht sie hinter ihm, mal springt sie ihm zur Seite (taz). Das ist zwar schon besser, doch Batman geht anders.
Denn, Frau Merkel, wenn sie Ihren Möchtegern-Nachfolger in Schutz nehmen wollen, dann müssen Sie sich vor ihn stellen! Vor und nicht hinter oder neben! So wie der Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft, Heiner Brand, der sich nach dem desaströsen Abschneiden seines Teams entschieden vor dieses gestellt hat. Genutzt hat es zwar auch nichts, doch es sieht einfach klasse aus.
Eben weil Guttenberg nicht „Ihr“ Verteidigungsminister ist, Frau Kanzlerin, sind Sie es, die ihn verteidigen müsste. Oder wollten Sie das gar nicht? Dann habe wohl ich etwas missverstanden.