Ich benötigte eine Personenauskunft aus dem Berliner Melderegister. Um diese Auskunft zu bekommen, kann man entweder zu einem der Bürgerämter gehen, muss sich aber anmelden, also zeitlich binden. Oder man holt die Auskunft schriftlich ein. Ersteres kann einige Wochen, letzteres einige Monate dauern.
Aber es gibt ja noch das Internet. Berlin ist nicht nur arm und (daher) sexy (s. den erotischen Charme der Dienstmädchen in den Haushalten des Bürgertums der Gründerjahre!), die Stadt ist auch kreativ- so sehr, dass es manchmal sogar als kreativ durchgeht, wenn man den ganzen Tag nur herumsitzt. Haben die Wiener Kaffeehausliteraten ja auch nicht anders gehalten. Und so hat die Verwaltung ihre Liebe zum Computer entdeckt und zugleich einen Weg, sich das Publikum vom Hals zu halten.
Solche Dienstleistungen kosten aber Geld. Nicht viel, nur 1,50 Euro, aber auch die wollen ja kassiert sein. Wer Spaß an Verwaltungsaufwand hat, kann sich das ja mal im Netz ansehen. Ist schon eindrucksvoll, was man aus solch einem simplen Vorgang wie dem Zahlen von 1,50 Euro alles machen lässt.
Am Ende wäre ich fast noch gescheitert, weil ich nicht wusste, wie Visa verified geht. Eine freundliche Angestellte meiner Bank half mir weiter.
Wenn fast alles durchstanden ist, muss man noch auf ein button – heißt das, glaube ich – drücken, dann wird dem Händler, was in diesem Fall die Berliner Senatsverwaltung ist, eine Email geschickt, in der die Bank erklärt, dass sie mit der Transaktion einverstanden ist. In diesem Fall leuchtet ein Satz auf, der es in sich hat wie eine Splitterbombe. Er lautet: „Ihre Mail wurde versendet!“ Mal abgesehen von dem Ausrufungszeichen am Ende des Satzes, das man vielleicht als Ausdruck obrigkeitlicher Selbstherrlichkeit deuten könnte, aber „ versendet“? Gibt´s das überhaupt? Wahrig kennt es jedenfalls nicht, zumindest in der Neuausgabe von 2006.
Vielleicht regt sich in den Redaktionen noch immer der Widerstand gegen die Rechtschreibreform, aber wohin dann mit dem Versand und allen seinen Derivaten? Oder gibt es allen ernstes User der deutschen Sprache, die sich beim Versendethandel gut aufgehoben fühlen?
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Der Autor (darf man den so nennen?) dieses grandiosen Satzes ist auf einer benachbarten Zeile gestrandet und schließlich versandet. Dann aber sollte man ihn dort ruhen lassen!