Die Verostung der Medien nimmt unaufhörlich zu. An Kleinigkeiten oft nur weisen sich die Redakteure und Sprecher in Zeitungen, Radio und Fernsehen als Kinder der DDR aus: ein verräterisches „wir“, dann wieder eine Abkürzung, die dem Westler Rätsel aufgibt. Oder die Kenntnis von Orten, die keiner kennt. Wie eine Krake hat sich der Osten auf unsere Medien gelegt.
Heute ein bemerkenswertes Outing, an einer Stelle, wo man es kaum erwartet hätte: Bei der Durchsage der Verkehrsbehinderungen sagte die Sprecherin des Inforadios, nach immerhin einem ganz kurzen Zögern: „Clayallee“. Doch sie sprach das Wort nicht im Wissen um den amerikanischen General Lucius D. Clay, der einst Berlin, ich meine: West-Berlin, über die Blockade gerettet hatte, mit englischer Intonantion aus, sondern so, wie es auf ihrem Computermonitor stand: „Klaiallee“. Das Gedenken an die untergegangene DDR wird mit wachsender zeitlicher Entfernung immer höher gehalten. Wer aber denkt an unser gutes, altes, kuscheliges West-Berlin (nicht Westberlin!)?