Ich sollte einer speziellen diagnostischen Behandlung unterzogen werden. Dazu bedarf es heute der Zustimmung des Patienten. Ich musste mich also durch vier mit Medizinerdeutsch eng bedruckte Seiten quälen, um dann zu sagen: Nein
Und warum nicht? Waren nicht alle Vorteile und Risiken offen dargelegt? Vielleicht. Aber etwas ließ mch zögern. Es war die durchgängige Falschschreibung des Namens der Behandlungsmethode. Zumindest vier Mal auf vier Seiten hieß es in der Kopfzeile statt „periradikuläre Therapie“ „periadikuläre Therapie“. Das „r“ war weggefallen! Kein Drama? Na, ich denke schon. Wie soll man denn erkennen, worum es geht? Dass die Injektion im Bereich (peri) der Wurzel (radix) niedergebracht werden soll? Und überhaupt: Kann man einem Arzt trauen, der noch nicht einmal die Orthographie seiner Leib- und Magentherapie beherrscht?
Ich muss an eine Geschichte aus Polen denken. Eine Radio-Journalistin, Magda Jethon, führte mit Promis aus der Kultur-Szene Gespräche, in denen sie diese dazu brachte, Episoden aus ihrem Leben zu berichten, die sie noch nirgendwo erzählt hatten. Darunter auch mit einer Schauspielerin, die in einem Zweipersonenstück im Rollstuhl sitzend eine erbitterte Auseinandersetzung mit ihrem Arzt führt. Sie wirft ihm direkt und indirekt Inkompetenz vor. Der Arzt wiederum weist darauf hin, dass er ihr ein Medikament mit dem Namen „Imprimina“ verschrieben habe. In so weit folgten beide dem Text. Doch in dem Augenblick war aus den hinteren Reihen des Saals eine Stimme zu hören: „Entschuldigen Sie bitte, aber das Medikament heißt nicht Imprimina, sondern Imaprimina.“ Nach einer kurzen Schrecksekunde holt die Schauspielerin zum Rundumschlag aus: „Na bitte! Und obendrein therapieren Sie mich auch noch falsch!“ Das gab natürlich einen Lacher.
Immerhin war in meinem Fall nicht von einer „periridikulären Therapie“ die Rede. Gleichwohl: Wer sich einen derartigen Schnitzer leistet oder diesen durchgehen lässt, sollte ernsthaft über einen teilweisen Honorarverzicht nachdenken.