Da sind sie wieder, die legendären Liquidatoren. Diesmal im japanischen Fukushima. Dort sollen sie versuchen, das radioaktiv verseuchte Wasser aus dem Meiler 2 der schmelzenden Anlage zu entfernen, eine Aufgabe, die seinerzeit, in Tschernobyl, den „Liquidatoren“ genannten Freiwilligen im Himmelfahrt-Einsatz zukam. Liquidiert werden sollen allerdings nicht sie, sondern die Strahlung.

Auch in Japan gibt es offenbar solch eine schnelle Eingreiftruppe: Ein taz.de-User bezieht sich auf eine Meldung aus Fukushima, in der es heisst: „Arbeiter schichten außerhalb der Gebäude Sandsäcke auf, um zu verhindern, dass das radioaktive Wasser im Erdboden versickert.“ Sein Kommentar: „Oh yeah, Baby, das bringt’s! Der Wille zählt!“ (Liferay)

Wenn ich solche Berichte lese, taucht vor meinen Augen das oft gesehene Bild japanischer Arbeiter auf, die auf einem neu verlegten Bürgersteig hockten und mittels Essstäbchen die Fugen zwischen den Gehsteigplatten mit Mörtel oder Zement (möglicherweise auch weich gekochtem Reis) ausfüllen. Japanische Arbeiter sind sicherlich hochqualifiziert, doch in Fällen, wo es keine spezifischen Anleitungen gibt, greifen sie auf archaische Techniken zurück. Nichts ist ursprünglicher (und damit auch wahrhaftiger) als Stäbchen. Sie sind – verlängerte Finger! – der Archetypus des Werkzeugs schlechthin.

Ich stelle mir nun, beim Lesen der Berichte über die Rettungsversuche, vor, japanische Techniker hocken im havarierten Meiler und versuchen das verstrahlte Wasser mit Hilfe ihrer Stäbchen zu liquidieren. Sage keiner, das gehe nicht, weil Wasser flüssig ist. Suppe führt man sich in Japan schließlich auch mittels Stäbchen zu.