Vom Verpfeifer ist es nur ein kleiner Schritt zum Untergeher, jedenfalls was das Wortbildungsmuster betrifft. Doch bei der Rechtschreibprüfung durch mein Textprogramm fällt der „Verpfeifer“ durch. Vielleicht weil er keinen so genialen Anwalt gehabt hat wie der Untergeher in Thomas Bernhard. In dessen Roman ist der Untergeher gleichsam die Inkarnation des Versagers in der Konfrontation mit dem Perfekten. Um unterzugehen bedarf es jemanden, der uns unsere Grenzen aufzeigt. Wie (die entliehene Romanfigur) Glenn Gould im Verhältnis zu seinen Kommilitonen am Salzburger Mozarteum.

Der Untergang bezeichnet den Prozess, auch dieser Begriff wurde zum Titel eines – diesmal filmischen – Kunstwerks. Doch das Personal ist dort ein völlig anderes. Zerstörte sich Hitler, weil er mit dem Perfekten in Berührung kam? Vielleicht nicht mit dem Perfekten, wohl aber mit dem Überlegenen. Es ist vielleicht die Bestimmung eines jeden Despoten: Er vermag nicht aus eigener Einsicht in die Unzulänglichkeit seiner Pläne weichen, nur dem Überlegenen macht er Platz.

Untergehen kann man aber nicht allein aus Einsicht in die Überlegenheit eines anderen. Auch die Verzweiflung über die eigene Unzulänglichkeit, das Gewahrwerden der Ausweglosigkeit, des Gefangenseins in Bindungen, die man nicht aufzulösen vermag, können das Untergehen einleiten. Schon Marie von Ebner-Eschenbach wusste: „Ganz aufgehen in der Familie heißt, ganz untergehen.“ Jede Bindung, aus der ich mich nicht kraft meines Willens zu lösen vermag, führt zur Selbstaufgabe, zum Untergang.