Knut ist tot. Im Alter von nur vier Jahren ist der Berliner Eisbär im Wasser treibend leblos aufgefunden worden. Zoobesucher wollen gesehen haben, wie er plötzlich zusammenbrach, einige Schritt rückwärts machte und dann in das Wasser des Bärenbeckens glitt.
Es soll eine Autopsie vorgenommen werden, um die Todesursache zu klären. Hypothesen kursieren bereits unter Knut-Freunden. Die deutungsmächtigste geht so: Der Berliner Zoo hatte durch Baby-Knut einen derartigen Zugewinn an Image und Geld erfahren, dass er nach Wegen suchte, diesen Mechanismus zu perpetuieren. So wurde Knut mit drei Eisbärinnen zusammengepfercht.
Doch dem Knut stand der Sinn offenbar nicht nach Sex. Die jungen Damen, statt sich stutenbissig zu verhalten und zu versuchen, den Jungmann mit Bestechungsversuchen für sich einzunehmen, wie es sich für diese Altersgruppe ziemt, reagierten ihren Frust aggressiv an dem jungen Bären ab, der sie allesamt verschmähte. Wer die Ilias gelesen hat, weiß: so entstehen Kriege!
Hier aber nahm die Tragödie andere Wege. Entweder das Mobbing durch die Damen hatte physiologische Folgen (Herzinfarkt!) oder aber Knut sagte der schnöden Welt schlicht: Ade! Und entzog sich dem Entscheidungsstress. (Begehen Tiere eigentlich Selbstmord? Wahrscheinlich nur, wenn sie soweit vermenschlicht worden sind wie Knut.)
Die Lebensleistung von Knut ist offenbar so groß, dass nach Möglichkeiten seiner Fortexistenz als Denkmal gesucht wird. Ich hätte da eine Idee: Berlin trägt in seiner Flagge die Silhouette eines Bären. Der ist zwar schwarz, doch man könnte ihn ja weiß einfärben. „Weißer Bär auf weißem Grund – was gibt das?“ mag manch einer mäkeln. Na immerhin einen Bären weniger. Und überdies: Knut ist in uns.