„Im Kapitalismus, einem System ewigen Fortschreitens, ist kein Platz für das Ende .Nis-Momme Stockmann über sein neues Theaterstück „Die Ängstlichen und die Brutalen“.
Klingt gut, ich war sofort elektrisiert, als ich diesen Satz in „aspekte“ hörte. Recht hat er, der shooting star unserer Literatur in dieser Saison. Oder? Verdient nicht immer noch jemand am Tod? Von den Beerdigungsinstituten und Gärtnereien bis hin zu Friedhofsverwaltungen und Kirchen kassieren sie alle mit. Und selbst vom Leichenschmaus leben einige Gastronomiefacharbeiter. Hat mal jemand die Zahl der Arbeitsplätze im Zusammenhang mit dem Tod berechnet? Und was es wirtschaftlich bedeuten würde, wenn wir das Methusalem-Gen entdecken würden? Den Kollaps der gesamten postmortalen Verwertungsindustrie nämlich.
Nein, ich halte es für ein Gerücht, pure Schönrederei, dass es eine Tabuzone gebe, zu der der Kapitalismus keinen Zutritt habe, beziehungsweise suche. Oder dass er ohne Not eine Ertrag verheißende Ressource (Sekundär-Leben – SeLe) aufgebe. Das Respektieren einer solchen Tabuzone würde im Widerspruch zur Moralfreiheit dieses Systems stehen. Das lasse ich mir nicht weismachen, dass man den Kapitalismus in Grenzen halten könne. Von einem Schriftsteller, der angeblich den Alltag im Visier hat, das alltägliche Grauen, hätte ich mir mehr Realitätsnähe gewünscht.
Sätze, die gut klingen, sollte man vorsichtig von allen Seiten betrachten, sie sorgsam abklopfen. Denn sie locken uns manchmal auf die falsche Fährte. Früher gab es das Adverb „wohlfeil“ für sie. Doch das ist irgendwie verschwunden.