Das Theater heute erwartet eine ganze Menge vom Publikum. Ich sage nicht „verlangt“, denn es ist ja nicht viel verlangt, wenn der Zuschauer dort eine Bank sehen soll, wo keine ist. Gerade beim Bühnenbild werden gern Kosten eingespart, wird damit gerechnet, dass ein mündiger Mensch zuschaut, der mitdenkt und so die Aufführung im Kopf vollendet. Das klappt ja auch. Romeo kann dann ruhig in Jeans auftreten, Othello ein Weißer sein, Landschaft nur in Worten existieren, Häuser müssen nicht wirklich brennen.

Merkwürdig , dass immer, wenn es ums Ficken geht, dem Zuschauer nichts an kompetenter Fantasie zugetraut wird. So ziehen Regisseur und Schauspieler alle Register ihres Könnens, um dem Zuschauer zu zeigen, was da eigentlich auf der Bühne verhandelt wird. Damit der beim nächsten Mal Bescheid weiß und so auf seine Vorstellungskraft zurückgreifen kann? Falsch! Denn beim nächsten Mal geht’s noch detailverliebter zu. Man kann fast sagen: Je spärlicher das Bühnenbild, desto anschaulicher das Ficken. Ach, eins hätte ich fast vergessen: Auch hinsichtlich des Rauchens lässt sich kaum ein Regisseur seine Realitätslust nehmen.