„Sehr geehrter Herr Foljanty,

mit der sehr kompakten LED-Handlampe Super Tiger sind Sie nicht nur für den nächsten Stromausfall bestens gerüstet […].

Weitere Schnäppchen in unserem heutigen Newsletter. Viel Spaß beim Sparen!

Herzliche Grüße

Ihr News-Team von [ XYZ]“

Stromausfall? Was ist denn das? Wann gab`s sowas zuletzt? Und überhaupt! Doch nun heisst es unvermittelt: „der nächste“. Das klingt nach Periodizität, Regelmäßigkeit, Naturgesetz. Kurz: lässt dieses Ereignis berechenbar erscheinen.

Gerade deshalb vielleicht gehen solche Briefe unter die Haut, rühren dort das Sediment sich selbst überlassener Erfahrungen auf. Bietet doch dieser Text nicht nur technische Neuerungen preisgünstig an, sondern verknüpft geschickt atavistische Ängste mit der Botschaft: Seht her, wir haben aus der Geschichte gelernt. So etwas kann nie wieder geschehen, denn wir haben das Zeug, dem Hitler seinen Schnauzbart auszuleuchten!

Stromausfälle gehörten nach dem Krieg zum Alltag (während des Kriegs vermutlich auch, doch daran kann ich mich weniger gut erinnern.) Sie waren nicht Folgen technischer Unfälle, Pannen also, nein, sie waren Teil des Überlebenskonzepts für die Bevölkerung und erfolgten daher nach Plan, kontingentiert nach der Relevanz des betroffenen Bereichs für das öffentliche Leben.

Was mich verstört hat an dem Werbetext, ist weniger die Faktizität der Ereignisse, als vielmehr der Umstand, dass man der heute konsumptiv aktiven Generation mit Stromausfällen Angst zu machen versucht. Dabei kennen sie doch kaum welche. Und wenn, dann durch Medienberichte über technisch zurückgebliebene Regionen wie New York, aus denen eine interessante Kohärenz von Stromausfall und plötzlichem Hochschnellen der Geburtenrate kolportiert wird. Solche Meldungen aber taugen wohl kaum dazu, die Menschheit zu Angsteinkäufen von Taschenlampen zu bewegen. Eher schon von Kondomen.