„Brot und Spiele“ lautete die Maxime höchster Regierungskunst bereits zur Zeit des Römischen Reichs. Und auch wenn der frühere amerikanische Präsident Billl Clinton den Akzent überdeutlich auf das Brot legte („It`s the economy, stupid“), so ist eine erfolgreiche Regierung ohne Kultur (Spiele) nicht denkbar.

Der Kulturbegriff hat sich später ausdifferenziert, heute haben wir eine Populärkultur, zu der auch der Sport gerechnet werden kann, und eine E-Kultur („ernste“), die der U[nterhatungs-]-Kunst die kalte Schulter zeigt.

Viel ist von der Symbiose beider nicht geblieben. Ab und zu verirrt sic ein Künstler oder Intellektueller in das U-Milieu, über das er dann tiefschürfende Betrachtungen schreibt. Doch das sind die Ausnahmen. Was nichts daran ändert, dass auch viele Künstler und Geistesschaffende ihren Lieblings-Sportverein haben, für den sie durch Dick und Dünn zu gehen bereit sind. Im Sportmilieu dagegen sich als Intellektueller oder Künstler zu outen, kann dagegen problematisch werden, haut doch das Volk der Dichter und Denker, die Deutschen, seinen Dichtern und Denkern nur zu gern auf die Schnauze.

Ganz anders dagegen in Brasilen, wo, trotz gewisser Schwächelei noch immer der beste Fussball gespielt wird. Wegen der oft unhandlich langen und komplexen bürgerlichen Namen vieler Spieler (Edison Arantes do Nascimento beispielsweise nannte sich „Pelè“).

Auffallend häufig werden in dem südamerikanischen Land Namen historischer Persönlichkeiten als Künstlernamen gewählt: Júlio César, Sócrates, Dante, Eusébio. Sie verleihen dem Träger eine Aura von Würde, adeln das an sich proletarische Ballspiel. Dagegen zeichnen sich hierzulande (Deutschland) gebräuchliche Kurznamen eher durch einen kumpelhaften Unterton aus: aus Horst wird „Hotte“, aus Adalbert „Atze“, aus Karl „Kalle“, aus Georg „Schorsch“ – meist landläufige Diminutive. Die stehen dann auch nicht auf dem Trikot, dort – wir sind halt im bürokratischen Deutschland – findet nur der bürgerliche Familienname seinen Platz. Nur selten verleihen die Fans ihrem Idol einen Namen, der bestimmte Eigenschaften des Spielers anspricht: „Terrier“ oder „Zecke“ lassen sich Spieler nennen, die für ihre Bissigkeit bekannt sind oder waren.

Warum eigentlich so bescheiden. Haben wir nicht auch eine Reihe von Persönlichkeiten in unserer Geschichte, mit denen sich unsere Kicker identifizieren möchten? Es muss ja nicht gerade „Karl der Große“ sein, das könnte zu Missstimmigkeiten mit unseren französischen Nachbarn führen. Aber Barbarossa oder Alarich, ich meine natürlich Siegfried, machen doch was her, oder? Bei „Otto“ hat man je nach den Umständen des Spiels die Wahl zwischen Otto dem Großen und Otto Waalkes. Auch „Heinrich Heine“ fände ich toll, aber da besteht die Gefahr antisemitischer Untertöne. Die Frauen kommen bei dieser Praxis zu kurz, ich merk`s schon. Aber auch her gibt es einen Weg, der zugleich das lästige Problem verdrängter Homosexualität beheben könnte: Wer sich als Tunte „Jungfrau Maria“ nennt, macht sich fast unangreifbar. „Nina Hagen“ dagegen stünde für einen extrovertierten Vorstopper alten Stils.

Natürlich müssen diese Namen verwaltet werden, es kann sich ja niemand einfach so nennen, wie er gerade möchte. Auch sind dringlich Doppelungen zu vermeiden, um nicht zu Missbildungen zu kommen wie „Otto der Große IV. Oder um Tabunamen den Zutritt zu verwehren wie „Adolf Kreuzwendedich“. Auch sollte darauf geachtet werden, dass fremdländische Namen eliminiert werden. (Wohlgemerkt als Künstlernamen, ausgeliehen von Idolen. Wegen seines bürgerlichen Namens kann niemand zur Rechenschaft gezogen werden.) Es gibt keinen Bedarf an „Mata Hari“! Oder gar Barbarella!

Es gibt aber auch Familiennamen, die sind jedem Künstlernamen meilenweit voraus, was Treffgenauigkeit, Prägnanz und Einprägsamkeit anbetrifft. Neulich las ich von einem deutschen Spieler, Lutz Pfannenstiel, der als erster Profi auf allen Kontinenten gespielt hat. Seine Karriere begann er übrigens beim 1. FC Bad Kötzting, der sich von diesem Schlag nie mehr erholte und weder Meisterschaft noch Pokalsieg in Deutschland hat jemals erringen können.

Wo ist eigentlich der holländische Meistertrainer mit dem berufsschädigenden Namen Leo Beenhakker (war sogar eine Zeit lang Trainer der polnischen Nationalelf selekcja polska) geblieben?