Das gute alte „Standfoto“ ist wieder da, sogar in der taz! Heute (5./6.2.2011) habe ich es auf S. 27 unter einer Abbildung entdeckt. Wie soll ich das nun deuten? Ist es ein Ausrutscher, ein an sich unbeabsichtigter Rückfall aus postmodernen in prämoderne Zeiten? Oder hat gar ein Umdenken in der Redaktion eingesetzt? Was zu einer neuerlichen Wertschätzung der Bildhaftigkeit von „Standbild“ gegenüber „Still“ (s. „Neue Wörter braucht das Land“) oder „Stop-Motion“ geführt haben mag.

Nichts gegen Anglizismen, wenn sie wirklich angebracht sind. Stop-Motion mag solch ein Fall sein. Ich habe mich da wohl geirrt, es ist nicht dasselbe wie ein Standbild, sondern bezeichnet vielmehr die bei alten Zeichentrickfilmen angewendete Bewegungstechnik, bei der das Objekt von Position zu Position geschoben und dann fotografiert wurde. Sorry!

Doch brauchen wir tatsächlich den whistle-blower? Oder tut es die in Lexika zu findende Übersetzung „Informant“? Doch wie schal ist dessen Charme! Hier können wir bei der Eindeutschung auch schon einmal etwas kreativ werden. So wie die Japaner kreativ waren, als sie mit der Öffnung des Landes 1868 und der massenhaften Konfrontation mit neuen Dingen (Briefmarke, Eisenbahn, Freiheit etc.) sich nicht nur neue Begriffe einfallen lassen mussten, sondern sogar neue Schriftzeichen. Etwa für „Bauchspeicheldrüse“, die sie noch gar nicht entdeckt hatten. Heute sind sie auch faul geworden und benutzen die englischen Ausdrücke. Die sprechen sie ein bisschen schräg aus und schon hat es sich (kompyûta).

Im Geiste der Wortschöpfungen zu Beginn der Moderne plädiere ich für die Wiedergabe von whistle-blower mit „Verpfeifer“.