Hallo, geht’s noch? Mit unvorhersehbarer Boshaftigkeit fällt die taz über Steglitz her, Berlin-Steglitz wohlgemerkt, der Ort, in dem ich wohne. Es genügt ihr nicht, die so genannte „Rote Insel“ in Schöneberg mit diffamierenden Attributen zu belegen („triste Altbauödnis“, das Fehlen von „Wohnzimmermöbelbars“ usw.), nein, es wird die Metaphernkeule hervorgeholt: „Man könnte meinen, perverse Stadtplaner hätte [Sic! Nicht einmal Grammatik können die!] ein übrig gebliebenes Stück Steglitz hierher verpflanzt.“

Was soll das? Ihr kennt doch Steglitz gar nicht. Der subtile Witz dieses Stadtteils erschließt sich erst dem steten Beobachter. Der wird auf einen Wasserturm stoßen, mitten auf einem Friedhof stehend und der lange einer ortstypischen Nutzung harrte. Hätte mal einer von euch schlaffen Szenetypen den Hintern hochgekriegt und die schlappen 2 Million (soviel etwa sollte er kosten) auf den Tisch geblättert. Dann hätten wir jetzt Platz für Off-Galerien und Wohnzimmermöbelbars zu Hauf. Aber aus den angesagten Bezirken war nichts zu hören, als der Deal anstand.

Aber die Steglitzer waren pfiffig. Den Zuschlag erhielt ein Institut für die Abschätzung von Medikamentenfolgen , beheimatet beim Verlag A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin. Das besiedelt jetzt den Wasserturm. Und der steht mitten auf besagtem Friedhof. Optimale Arbeitsbedingunge nenne ich das!

Das sieht auch das Bezirksamt Steglitz so. Am 29.1.2000 berichtet die Berliner Zeitung: Fünf Jahre hatte das Bezirksamt nach einem Nutzer für das Gebäude gesucht. „Interessenten, die ein Café einrichten wollten, kamen nicht in Frage“, sagt Stadtrat Kopp. Cafébetrieb sei Friedhofsbesuchern nicht zuzumuten. Wohl aber die Abschätzung von Medikamentenfolgen.