In Japan ist das eine gängige, wenngleich beklagte Praxis: Hohe Ministerialbeamte versilbern ihr Insiderwissen und ihre persönlichen Beziehungen, indem sie zu privatwirtschaftlichen Unternehmen wechseln, die wiederum sich für die Erteilung von Staatsaufträgen besser positionieren wollen. Es handelt sich beileibe nicht um singuläre Vorgänge, sie liegen quantitativ im dreistelligen Bereich (jährlich), es werden Statistiken geführt, die Presse prangert besonders spektakuläre Fälle an, mit dem Erfolg, dass bereits einige gesetzliche Regelungen geschaffen wurden, um diese Form der Lobbyarbeit zu unterbinden oder zumindest einzuschränken. Auch bei uns dürfte es sich nicht um Einzelfälle handeln, aber man verdrängt ganz gern den Systemcharakter. Wie sehr man sich in Japan dessen bewusst ist, dass es sich um ein strukturelles Phänomen handelt, belegt die Tatsache, dass man einen griffigen Namen dafür gefunden hat: amakudari: „Herabsteigen vom Himmel“ Ein Vorgang, der auf das Erscheinen des ersten Tenno auf Erden anspielt.

Damit verbietet sich eigentlich eine Übersetzug als „gefallener Engel“, es sei denn, man nimmt einen konsequent republikanischen Standpunkt ein. Derzeit wird bei uns, ausgelöst durch den Fall (!) Pofalla, über eine Karenzzeit für Seitenwechsler nachgedacht. Wie töricht! Denn wer sein Wissen weiterzugeben bereit ist, wird Mittel und Wege finden, das auch zu tun. Wir sollten es aus der Geschichte wissen: Was machbar ist, wird gemacht.

…………………fundsachen: alt aber nicht veraltet……………….