Der Papst hat einen Brief geschrieben. Das kommt wohl nicht so oft vor. Denn die gesammelten Medien merkten auf. Meistens nämlich lächelt der Mann, zeigt er sich den jubelnden Massen, empfängt wichtige Menschen, spricht mit denen und sorgt so dafür, dass alles gut wird. Wenn er aber einen Brief schreibt, dann ist irgendetwas dabei, anzubrennen. So auch im Falle des Briefs von Benedikt XVI. an seine Bischöfe in Deutschland. Der Brief ist sicherlich wegen seines Inhalts bemerkenswert, gesteht der Papst doch ein, Fehler im Umgang mit den Holocaust-Leugnern begangen zu haben. Es ist noch gar nicht lange her, da galt der Papst qua Amt als unfehlbar.
Mich hat mehr als der Inhalt eine Formulierung gefesselt, deren Bildhaftigkeit und Emotionalität die Dimension der Probleme ahnen lässt, die sich die Führungsriege der Katholischen Kirche mit der „Williamson-Affäre“ geschaffen hat. Es ist die „sprungbereite Feindseligkeit“, von der sich der Kirchenführer umstellt sieht.
In der Sache kann man das so oder so werten, als Wortschöpfung aber ist es schlichtweg großartig! Man spürt förmlich die Bedrohlichkeit der Situation, ahnt die Bischöfe in den Büschen sitzend, die flammenden Augen auf den Stellvertreter Gottes gerichtet. Das Wort „Feind-Seligkeit“ allein ist ja schon ein Hammer, lässt es doch anklingen, dass das feindliche Gefühl, das diese Männer erfüllt, sie geradezu in einen Rauschzustand versetzt hat. Und dann noch „sprungbereit“: Raubkatzen in der Nacht, die ihren Hunger kaum noch bezähmen können und so auf die geringste Blöße lauern, die ihr Opfer sich gibt. Um dann loszuspringen.
Das Jahr hat erst begonnen, wir wissen nicht, was noch kommt. Für mich aber ist dieser Ausdruck ein Kandidat für das „Wort des Jahres“ 2009!