Bei der Bombardierung von Tanklastern durch die Bundeswehr in der Nähe von Kundus (Afghanistan) wurden 142 Menschen, meist Zivilisten, getötet. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags versucht den Hergang zu klären und ist gleich über die Kommunikationskette gestolpert. Dem Ermittlungsstand zufolge spielte sich der Vorgang folgendermaßen ab: Ein Informant informierte einen Sprachermittler (sic!) über die Tanklaster. Die Sprachermittler setzten zwei Kollektoren (sic!) davon in Kenntnis, die die Information wiederum an den Befehlshaber, Oberst Klein, weitergaben. „Stille Post am Hindukusch – mit Todesfolge“ nennt die taz zu Recht dieses Verfahren.
Ein Problem ist das Gewicht, das in dieser Kette den „Sprachermittlern“ zukommt. Doch was sind das eigentlich für Funktionsträger? In der untergegangenen DDR gab es den Beruf „Sprachmittler“, der inzwischen wohl wieder dem klassischen Dolmetscher und Übersetzer gewichen ist. „Auch „Sprachvermittler“ wäre aus sich heraus noch verständlich. Aber „Sprachermittler“? Zuerst hielt ich es für einen zeihlichen Druckfehler. Doch dann häuften sich die „Ermittler“, drei Mal im folgenden Absatz. Klingt eher nach Absicht.
„Nun gibt es Zweifel an dem Sprachermittler“, schreibt selbst die taz. Meint aber natürlich deren politische Integrität. Ich bin es von der taz gewöhnt, mit neuestem Sprachmaterial vertraut gemacht und auf den aktuellen Stand der Ausdrucksdifferenzierung gebracht zu werden. So ging es mir dereinst beim „Blog“, dann kamen die „Stills“ hinzu, Wörter mit denen ich inzwischen ganz selbstverständlich umgehe. Am Botoxen (vor allem an seiner Verwendung in artungerechtem Kontext) arbeite ich noch. Doch Sprachermittler? Das scheinbare Verstehen lässt mich am Sinn dessen, was ich verstehe, zweifeln. Wieso wird gegen (?) Sprache ermittelt? Und wie? Nichts gegen das Prinzip der Kleinkinderpädagogik learning by doing, doch ein wenig mehr Aufklärung würde ich mir schon wünschen.
Was nun die „Kollektoren“ betrifft, – das sind sicherlich Sammler von Informationen, die in der Gegend herumlaufen und Infos auflesen, gewissermaßen informationelle Straßenkehrer. Oder sind es Vorkoster, die den substantiellen Gehalt der Information auf dessen Bekömmlichkeit testen? Informationen, die ihnen beispielsweise von Sprachermittlern zugesteckt wurden.