Sonntagabend vor dem Fernseher. Zappe rum und bleibe bei Bildern hängen, die auf dramatische Weise künstlich aussehen. Steinzeitmenschen, sehr frühe Steinzeit. Und das auf arte! Irgendjemand hatte erzählt, dass in dieser Woche auf arte Kubrick-Filme laufen. Vielleicht…? Aber Kubrick und Steinzeit? Naja, ist ja in gewissem Sinn auch SF, halt nur in die andere Richtung. Der Schulfilm davor über die Rolle des Meeres bei der Entstehung der Fauna war voll evolutionärer Logik gewesen, vereinfacht vielleicht, aber überzeugend. Dagegen wirkte dieser Film auf den ersten Blick nur albern. Aber steht nicht arte für Qualität, auch wenn man die manchmal mit der Lupe suchen muss? Und sollte es wirklich Kubrick sein, dann war ich halt der Trottel, der nichts begriff. Ich blieb also dran. Da ich nur die Hälfte gesehen hatte, las ich hinterher im Netz nach. Und fiel von einem Erstaunen ins nächste. Kein Kubrick, sondern ein kanadischer Film von Jean Jacques Annaud von 1981: „Am Anfang war das Feuer“. Mit einem Oscar preisgekrönt 1983 für … die beste Maske! Wahrscheinlich weil die Steinzeitmenschen bei aller kunstvollen Veraffung doch aussehen wie du und ich. Ausgangspunkt ist ein Überfall einer Neandertaler-Horde (der Bösen) auf eine Homo-Sapiens-Truppe (die Guten), bei dem die Neandertaler die Oberhand behalten und nur einige Mitglieder des Homo-Sapiens-Stammes fliehen können. Das Feuer, das sie mitnehmen, fällt aber ins Wasser, es muss neues gesucht werden, denn selber zu entfachen verstehen sie es erst gegen Ende des Films. Drei junge Burschen werden für diesen Job ausgewählt. Auf ihrer Tour machen sie Erfahrungen, die sie gleich mehrere Stufen der Evolution in einem Zug bewältigen lassen: Teamwork, Missionarsstellung, Romantik. Doch irgendwie scheinen sie den Ernst der Lage nicht immer zu begreifen. Mal ehrlich: Wenn die Kumpels seinerzeit so undiszipliniert und derart unorganisiert sich verhalten hätten, wie in dem Film gezeigt, hätte es die Menschheit wohl kaum bis heute geschafft. Denn der Mensch ist ein Mängelwesen und vermag nur zu überleben, wenn es ihm gelingt, diese Mängel durch Intelligenz zu kompensieren.

Kaum zu glauben , dass bei der Rückkehr der Drei so leichtfertig mit dem lebensnotwendigen Gut des Feuers umgegangen wird wie heute mit dem Pokal nach einer Sportmeisterschaft. Kein Wunder, dass er ins Wasser fällt, im Stil der Pannen, Pech & Pleiten-Sendungen. Und nachdem alles doch gut ausgegangen ist, sitzen die Männer bei knisterndem Kaminfeuer in der Kneipe, lassen sich volllaufen und berichten mit stolz geschwellter Brust von ihren Heldentaten. Wer sich da nicht mit der Subintelligenz des Homo sapiens identifiziert, dem ist nicht zu helfen. Getoppt wird diese Szene nur noch von der letzten Einstellung: Der Held knöpft der Heldin die Steinzeitbekleidung auf, um ihren schwangeren Bauch zu tätscheln, während beider Gesichter in romantischer Schwelgerei dem Vollmond zugewandt sind.

Das einzig wirklich Bemerkenswerte an diesem Film ist die Tatsache, dass er ohne ein Wort einer real existierenden Sprache auskommt. Das allein wäre eines Oscars wert gewesen, für eine Kategorie, die leider noch nicht geschaffen ist. Vielleicht: Sprachlosigkeit?