Es ist die Zeit der Biathleten, jahreszeitlich und hypemäßig. Warum bloß sind die plötzlich so prominent? Was ist so sexy an diesem Sport? Spektakuläres ist kaum zu sehen. Beim Fußball sind es halsbrecherische Aktionen, die den Fan von seinem Sitz reißen. Oder wenn der Ball krachend an der Latte landet. Es ist ein archaischer Kampf Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Beim Biathlon gibt es bestenfalls schwarze oder weiße Kreise zu bestaunen. Ein Skispringer kann schon mal vom Himmel fallen, doch wenn ein Biathlet fällt, wer würde es merken, gäbe es keine Fernsehkameras? Es ist Sportgenuss aus zweiter Hand.
Doch Biathlon ist in, jedenfalls in Deutschland. Und es scheint ein Naturgesetz zu sein: Die Kehrseite der Popularität einer Sportart ist das Doping. Und hier wird’s plötzlich spektakulär. Morddrohungen gegenüber Biathleten, – und das bei dieser Ausrüstung! Vielleicht sehen wir demnächst auch noch rote Kreise? Aber dieser Vorgang erlaubt auch einen Blick in die Hintergründe dieser frenetischen Verbissenheit, denn die Ausübenden sind häufig Soldaten. Die Deutsche, die derzeit gerade die Medaillen bei der WM in Süd-Korea abräumt, ist sogar Hauptfeldwebel. Ein Ersatzkrieg wird vor unseren Augen ausgetragen, und vielleicht handelt es sich ja bei dem enthusiasmierten Publikum um die Soldaten- Kollegen, die nicht gerade im Friedenseinsatz sind.
Sportsoldaten. Diese Berufsbezeichnung hörte ich zum ersten Mal, ganz unverblümt und selbstverständlich gebraucht, bei den Olympischen Spielen von Peking. Seither treibt mich die Frage um: Was machen Sportsoldaten eigentlich, wenn Krieg ist?