Zu einem Gespräch im Deutschlandfunk
Seit die Türken wieder vor Wien liegen, will sagen: seit der Islam sich erneut anschickt, das Abendland zu erobern, besinnen sich die Europäer auf ihre Wurzeln. Es ist nicht das erste Mal und wird nicht das letzte Mal bleiben. Ich erinnere mich, dass auch die USA in den 1970er Jahren von einem roots-Fieber heimgesucht worden sind. In der gleichnamigen Fernsehserie von 1977 ging es vor allem um das Schicksal der afro-amerkanischen Bevölkerung, exemplarisch dargestellt an einer Familie aus den Südstaaten.
In Deutschland wurde das mit hohem Interesse zur Kenntnis genommen (wie alle kulturellen Regungen aus den USA), doch schien es kein Thema, das den Menschen unter die Haut ging (anders also als „Holocaust“ wenige Jahre zuvor). Erst einem etliche Jahre später havarierten deutschen Bundespräsidenten, Christian Wulff, gelang es, ein wenig Nachdenklichkeit zu wecken, als er in seiner Antrittsrede darauf hinwies, dass nicht nur Christentum und Judentum ein inhärenter Bestandteil der deutschen – oder sagte er: der abendländischen?- Kultur sei.
Darin dass er nur wenig später wegen einer Korruptionsaffäre gehen musste, sehen nicht wenige einen Racheakt traditionalistischer Kreise.
Das alles blieben Eintagsfliegen. Erst die mutmaßliche Bedrohung durch die IS-Miliz hat die Menschen (zumindest einige) in Panik versetzt. Um von dem über sie hinweg rasenden Sturm nicht aus der Bahn geworfen zu werden, begannen sie fieberhaft nach ihren Wurzeln zu suchen. Das Ergebnis sind tendenziell bis offen ausländerfeindlilche Gruppen wie AfD oder PEGIDA.
Und liebe Bewurzelte was macht ihr dann? Habt ihr euch schon einmal überlegt, dass Menschen (wie alle tierischen Lebewesen) geschaffen wurden, um mobil zu sein? Angewurzelt aber wären sie immobil. Ich vermute einmal, dass diese physische Immobilität mit einer geistigen korreliert. Das aber würde bedeuten, die Evolution zurückzuschrauben. Wollen wir das wirklich?
Es bleibt uns also nur der Schritt nach vorn. Und was die Wurzeln betrifft: Natürlich haben wir alle eine Herkunft. Das aber bedeutet nicht, dass wir zurückschauen sollen. Der aufrechte Gang, er hat uns den entscheidenden Vorteil gegenüber den Vierbeinern gebracht. Er ist unweigerlich mit der Vorwärtsbewegung verbunden, Aber nur wenn die Beine frei bleiben, wir unverwurzelt sind. Denn Verwurzelung, das ist Stillstand.
Dass Menschen in Augenblicken der Gefahr dazu neigen, die Anker zu werfen, ist verständlich. Undenkbar aber ist, dass sie sozusagen mit angezogener Handbremse große Sprünge machen werden, Deshalb ihr Menschen: Kappt die Wurzeln, damit ihr bereit seid zum großen Sprung nach vorn! Die Schwerkraft allein ist schon schwer genug zu überwinden.
Dass Menschen in Augenblicken der Gefahr dazu neigen, die Anker zu werfen, ist verständlich. Undenkbar aber ist, dass sie sozusagen mit angezogener Handbremse große Sprünge machen werden. Deshalb ihr Menschen: Kappt die Wurzeln, damit ihr bereit seid zum großen Sprung nach vorn! Die Schwerkraft ist schon schwer genug zu überwinden.
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Bemerkenswert am Rande war der Anruf eines ziemlich empörten Hörers zu der Feststellung der Gesprächsrunde, das Judentum sei immer schon integraler Bestandteil der abendländischen Kultur gewesen. „Warum wolltet ihr sie denn dann alle umbringen?“ Obwohl die Antwort von höchstem Interesse gewesen wäre, blieb sie aus.