Die lange Baudauer des neuen Berlin-Brandenburger Großflughafens „BER“ ist Dauerthema in Büros, Verkehrsmitteln und Kneipen. Was ist da noch zu sagen? Auch der Hinweis auf andere Mammutprojekte wie den Kölner Dom (KöDo) ist uns nicht erspart geblieben.

Gerade er aber zeigt , dass das langsame Bauen eine gute, alte deutsche Handwerkstradition ist. Und ein Blick in die Runde bestätigt, dass diese Tradition heute noch lebendig ist. Erst wenn wir genau hinsehen, werden wir nämlich gewahr, dass zahlreiche Kumuli, die wir als fest zum Stadtbild gehörend gespeichert hatten, tatsächlich auf Spuren andauernder Bautätigkeit hindeuten. Sei es die Rolltreppe auf dem Weg zum U-Bahnhof, sei es ein komplett gesperrter Zugang zur U-Bahn, seien es ganze Straßenkreuzungen und vieles mehr. Dass von den Bauarbeitern keiner zugegen ist, spricht nicht gegen den Fortgang der Bautätigkeit, dieser erfolgt eben nur in dem langsamst denkbaren Tempo.

Das erinnert an eine Form des Radrennens, bei der zwei Kombattanten bis kurz vor Ende versuchten, den zweiten, also letzten Platz zu behaupten. Um dann, oft erst in der letzten Runde einen Moment der Unachtsam des Gegners ausnutzend triumphierend an diesem vorbeizuziehen. Diese Veranstaltung heißt „Steherrennen“, weil der Zuschauer den Eindruck gewinnt, die Radler stünden mehr als dass sie führen.Auch beim Steherrennen der Baufirmen ist ein ähnlicher Ablauf zu beobachten. Niemand gibt sich die Blöße eines vorzeitigen Angriffs, erst wenn die Fahrer auf dem Rad einzuschlafen drohen, wird das Tempo urschnell angezogen. Manche Baustelle wird auf diese Weise fertig gestellt, nachdem sie zuvor fast zwei oder drei Jahre vor sich hin gekümmert hat. Möglicherweise nehmen wir als Publikum an irgend einem obskuren Rennen der Baufirmen teil – ohne es zu ahnen.

Von dem Virus der Langsamkeit sind nicht nur überdimensionale Projekte wie der BER betroffen, nein selbst vor bescheidenen Hütten schreckt er nicht zurück. An einer Glasflügeltür im Steglitzer Kreisel, auf dem Weg zur Hinter- zur Vorderseite prangte ein DIN A4 Blatt, bedruckt mit nur einem Wort: „Defekt“. Keine Erklärung, kein Entschuldigung (? In Europa?), kein Termin für die Wiederinbetriebnahme, nein, nur „Defekt“. Ein Information, die sich wahrscheinlich am schnellsten (gegenüber anderen) den potentiellen Benutzern erschlossen hätte. Mit anderen Worten: Defekt – was sonst!

Zum zweiten Jahrestag plante ich einen Zettel darunter zu hängen: HAPPY BIRTHDAY… Doch wenige Tage vor dem Ereignis war der Zettel verschwunden, die Tür funktionierte wieder.