Mir kamen die Tränen. Bodo Ramelow hat alles riskiert und – verloren. Das weiß die taz am ersten Oktober-Wochenende zu berichten. Er hatte seine Berliner Wohnung gekündigt, Gattin und Hund gepackt und war nach Erfurt gezogen. Hatte obendrein auf eine Bundestagskandidatur verzichtet und damit auch den bisherigen Fraktionsvorsitz sausen lassen, alles Posten, von denen es sich recht und auch nicht schlecht hatte leben lassen. Um mit 27,4 Prozent bei den Thüringer Landtagswahlen ein „üppiges“ (taz) oder zumindest doch respektables Ergebnis für die Linke einzufahren. Doch schnöder Verrat seines Traumpartners SPD brachte ihn um den Lohn seiner Mühen, nun liegen fünf Jahre auf der harten Oppositionsbank vor ihm.

Ich sehe schon vor meinem inneren Auge, wie der Mann mit Gemahlin und Hund durch die Gassen Erfurts ziehen wird, zwei Wesen, die – ihre Namen deuten es an – Besseres gewohnt sind: Germana Alberti vom Hofe und Attila. Sie werden künftig von den Abfällen der Wohlstandsgesellschaft leben müssen, auch wenn der Schurke Matschie ihnen von Zeit zu Zeit einen Knochen hinstrecken sollte. Matschie! Ein Schurkenname wie aus dem Lehrbuch für angehende Schriftsteller! Und Attila: Sagen nicht Tiernamen wenig über deren Träger, aber um so mehr über ihre Halter aus? Da war noch ein Name in dieser Woche, der mir zu denken gab. Sarrazin heißt der Mann, ehemals sozialdemokratischer Senator in Berlin, jetzt (noch) Bundesbank-Vorstandsmitglied, bekannt für seine flotten, politisch dezidiert inkorrekten Sprüche. Er rechnete einst Hartz IV-Empfängern vor, wie sie sich von den Staatsalmosen luxuriös ernähren könnten mit Billig- schrippen, Kartoffelsalat und Bratwürsten aus dem Schnäppchen. Nur der Prosecco dazu bleibt vielleicht auf der Strecke.

Neuerdings hat er sich mit den Migranten angelegt, „die ständig neue kleine Kopftuchmädchen produzieren“. Mit Kopftuchmädchen meint er wohl – weibiche und männliche – Muslime. Mit denen verbindet man im allge- meinen Araber und so etwas. Doch woher hat der Mann selbst eigentlich seinen Namen? Klingt der nicht irgendwie nach Sarazenen, einer in latei nischen Quellen des Mittelalters verwendeten Sammelbezeichnung für mus- limische Völker des Mittelmeerraums, wie uns Wikipedia aufklärt? Gegen die hat doch schon Karl der Große gekämpft. Der eine oder andere scheint dann aber doch durchgeschlüpft zu sein und hat „ständig neue kleine Kopftuchmädchen“ produziert, deren Spur wohl bis zu unserem Thilo führt. Nichts gegen Migranten, – was schließlich wäre Deutschland ohne seine Ausländer? -, doch merke: Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht ausgerechnet mit Steinen werfen.