Ich war gestern im Willy-Brandt-Haus. Nicht wegen der Partei, es ging vielmehr um Warschau. Willy Brandt und Warschau, – da war doch mal was? Dennoch, kein Thema, das sich die SPD unter den Nagel reißen können sollte. Es lag einiges an Material mit Hinweisen zu anderen Veranstaltungen aus. Ein Flyer stach mir ins Auge, vielmehr seine Titelzeile: „Sieh da, das Alter…“. Na ja, dachte ich mir, die Enkel von Willy Brandt kommen auch in die Jahre. Und wer weiß, vielleicht haben sie ja einige Tipps parat für den Umgang mit altersbedingten Zipperlein. Die Partei kümmert sich halt. Muss ja schließlich ihre letzten Wähler bei Laune halten. Vielleicht eine gute Gelegenheit, mal den Parteivorsitzenden kennen zu lernen. Dachte ich und suchte in der Liste der Panelisten nach dem Namen von Münte. Den aber fand ich nicht. Stattdessen blieb ich bei dem Untertitel hängen: „Hurra, ich muss nicht mehr ins Altersheim.“ Wollte ich das wirklich wissen? Nun, es machte mich neugierig. Auf der Rückseite erfuhr ich mehr: Es wird die Lernfähigkeit der Menschen ab 60 beschworen, Schluss mit der Altersdiskriminierung gefordert. Nun erwartete ich ein Wort zur Rente mit 67, warum eigentlich aufhören zu arbeiten? Vielleicht bereitet die SPD ihr neues Programm vor? Nach lebenslangem Lernen nun auch lebenslanges Arbeiten? Doch dazu – nichts. Ein wenig enttäuscht war ich schon. Mich interessierte nicht so sehr die Botschaft, dass Münte nicht ins Altersheim muss, als vielmehr die Frage, wie er das geschafft hat. Der soll ja jetzt eine ganz junge Freundin haben. Doch das verrät er uns dann wohl doch nicht. Dafür werden wir über das „Umbauen zur altersgerechten Wohnung“ informiert. Vielleicht ist seine Freundin ja Innenarchitektin.
Rauchzeichen aus Mediastan