Als älterer Mensch weiß ich die Diskretion moderner Kommunikation zu schätzen. Ich brauche mich nicht eigenfüßig irgendwohin zu bemühen, um ein Anliegen vorzutragen und zu vertreten, sondern kann dies in aller Unaufgeregtheit vom Rechner aus tun, notfalls auch auf dem Klo. Und was noch wichtiger ist: Ich kann so tun, als sei ich 24.

Umgekehrt möchte ich nicht, dass jeder meine Runzeln auf dem Bildschirm nachzeichnen kann, möchte meinerseits auch nicht meine Gesprächs- partnerin bei der Morgentoilette beobachten müssen. Und wer will schon, dass der andere die wachsende Zahl weißer oder gar fehlender Haare auf meinem Haupt ermittelt und seine Schlüsse daraus zieht?

Nein, so wie es ist, ist es gut! Ich kann mich unsichtbar machen und dabei vor mich hinträllern: „Ach wie gut, dass niemand weiß … .“

Doch ach, die Idylle der Anonymität ist gefährdet! Immer häufiger erreicht mich Post, teils mit namentlicher Ansprache, in der direkt oder indirekt auf mein Alter Bezug genommen wird: Sterbegeldversicherung, Senioren- residenzen, Butterfahrten, Mittagstisch, all das, was man sich insgeheim schon lange wünscht, aber nicht wagt auszusprechen. Nun auch das noch: Handys mit besonders großen Tasten. Da kann ich ja gleich die Hosen runterlassen! Irgendjemand muss geplaudert haben, anders kann ich mir das nicht erklären.

Nein, ich will nicht aufgrund der Aktenlage eingeschätzt werden, sondern beschwingt einen Laden betreten und sagen: „Mein Urenkel braucht ein Handy. Seine Finger sind zwar noch etwas tollpatschig, mit Zahlen kann er schon ganz gut umgehen …“

Aber so ganz genau scheinen die Verkaufsstrategen es wiederum doch nicht zu wissen. Mein Vater erhält immer wieder Angebote, irgend etwas kaufen, was ihn angeblich glücklich machen soll. Doch er lebt bereits seit fast zwanzig Jahren nicht nicht mehr. Es sind halt auch nur Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Lassen wir sie also, solange sie unseren Ur-Enkeln keine Premium-Särge verkaufen wollen.

PS: Schon wollte ich in der Gewissheit, Senioren-Handys seien nicht mehr zu toppen, schulterzuckend zur Tagesordnung übergehen, da erreicht mich folgende Email:

„Beheizte Schuheinlagen – stets warme Füße für Detlef Foljanty“! Ich bin fast aus den Latschen gekippt. Natürlich waren die unbeheizt.