Es gibt viele Wort gewordene Zeugnisse für die kolonialistische Weltsicht Europas in der Vergangenheit, allen voran der „Schwarze Peter“. Kaum eine europäische Sprache, die ihn nicht kennt. In den Niederlanden heißt er Zwarte Piet und hat es bis zum Assistenten des Weihnachtsmanns gebracht, na vielleicht ist es ja auch nur der Nikolaus. Viele dieser schwarzen Gesellen sind erstaunlicherweise positiv konnotiert, oft mit Süßspeisen verbunden: Sarotti-Mohr, Negerkuss, Lumumba (s. in diesem Blog: „Cuba libre und Lumumba.1 vom 4.1.2009 / und Cuba libre und Lumumba.2 vom 18.2.2009) und ihresgleichen mehr. Na und Jim Knopf, Gehilfe von Lukas, dem Lokomotivführer, ist doch auch süß, oder?

Inzwischen hat so manch Tugendwächter der politischen Korrektheit gemerkt, dass in solchen Kindergeschichten sich Spuren von kolonialistischem Denken verbergen, die oral in die Hirne nachstehender Kinder geschleust werden. Also alles auf Null, denn solche Namen oder auch Sachverhalte rufen dringend danach, umgeschrieben zu werden.

Tun sie das wirklich? Ach ihr empfindsamen Europäer, glaubt ihr wirklich, die Sünden der Vergangenheit so tilgen zu können? Eure Unschuld wieder herstellen zu können? Nein, es hätte Eva auch nichts genutzt, wenn sie den Apfel gleich wieder ausgespuckt hätte. Und warum wollt ihr eure Schuld von einer Unschuldstünche verdecken lassen. Habt ihr nicht den Mumm, die Sünden der Vergangenheit einzugestehen? So einfach geht das nicht; neuer Name, neues Glück!

Wir müssen also lernen, die Schuld auszuhalten. Aber nicht, indem wir ihre Spuren tilgen (Beispiel: die rituelle Umbenennung des Berliner U-Bahnhofs Mohrenstraße in Möhrenstraße), sondern indem wir darauf hinweisen. Dann erst können wir geltend machen, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Das ist ehrenhaft, nicht aber das Verstecken.