Dieses Pack, dieses undankbare Pack! Berliner, ja, euch meine ich! Da müht man sich tagaus, tagein, ihnen eines der besten Nahverkehrssysteme hinzustellen und was erhält man zum Dank? Spott, Häme, ja Beschimpfungen. Das, genau das, ist der gemeine Berliner. Von wegen „harte Schale, weicher Kern“! Umgekehrt verhält es sich: die Schale ist weich bis an die Grenze hin zur Larmoyanz. Aber wer mit ihnen in näheren Kontakt kommt, beißt sich die Zähne aus, so hart sind sie.
Fallen mal wegen des strengen Winters in dieser Region ein paar Züge aus, zischelt es von allen Seiten: „Versager!“ Aber mal ehrlich: Wer kann denn schon ahnen, dass so ein hartleibiger Winter Berlin heimsuchen wird? Und das im März. „Märzwinter“ würden die Meteorologen diesen Wintertypus angeblich nennen. Woher die den kennen? Keine Ahnung!
Da hat der Mann, der just zu dem Zeitpunkt interviewt wurde, als witterungsbedingte Zugausfälle mit der Ankündigung von Fahrpreis erhöhungen koinzidierten, durchaus begriffen, welch Gunst der Stunde er teilhaftig wird: „Ick find det jut. Dann könnwa für unser Jeld noch n bisschen länger hia bleibn und kiecken!“ Auch wenn ich den Eindruck nicht los werde, da mache sich jemand lustig. Bloß über wen?
Und wem ist es gelungen, den Berlinern ihr Blockade-Trauma auszutreiben, die Angst zu verhungern? Genau! Die Bahn hat nahezu jeden nennenswerten Bahnhof in eine Bäckerei mit Gleisanschluss umgewandelt. Das soll uns erst mal jemand nachmachen: Quer durch Deutschland, ohne ein Gramm abzunehmen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Nun überlegense mal: Wenn unsere Züge pünktlich nach Plan führen, wer brächte dann noch die Zeit auf, sich mit der Bahnhofsgastronomie vertraut zu machen? Die Verspätung ist die Mutter des Konsums!
Heute haben wir den Bahnhof als Event, da ist es doch ziemlich egal, wohin die Reise geht. Hauptsache man kann umsteigen, warten und – konsumieren.
Ob ich regelmäßig mit der Bahn fahre? Wattn, icke? Nee, also soviel Zeit hab ich nun auch nicht! Ich muss mich doch um das Marketing der Bahnhöfe kümmern! Indem ich zum Beispiel an einem Zeitungsprojekt mitarbeite. Titel: „Dein Bahnhof“