Als ich jung war, und das ist leider schon ziemlich lange her, da galten mir die dumm-trotteligen Taten der Bürger von Schilda als Muster kontraproduktiven Handelns. Bei der Ausführung ihrer Vorhaben übersahen sie wesentliche Details, so dass das Ergebnis nicht die erwartete Wirkung haben konnte. Als sie selber das erkannten, wollten sie mit durch und durch untauglichen Mitteln den Fehler wieder ausbügeln – natürlich vergebens.
Heute, im informationellen Zeitalter haben die Schildbürger kongeniale Nachfolger gefunden, die Brandenburger. Sie informieren über veritable Kulturereignisse und Veranstaltungen, vergessen aber mitzuteilen, wann und wo die stattfinden und vor allem: worum es eigentlich geht. Auf einem Berliner S-Bahnhof entdeckte ich dieser Tage ein Plakat des Archäologischen Landesmseums Brandenburg, das auf eine von eben diesem Museum durchgeführte Ausstellung „1636. Ihre letzte Schlacht“ hinweist. Das Plakat zeigt einen skizzierten Aufmarschplan, im Vordergrund vier Soldaten als Schattenrisse. Dazu in kaum noch entzifferbarem Schriftgrad Name und Anschrift des Museums. Kein Wort dazu, worum es geht, wer 1636 seine/ ihre letzte Schlacht geschlagen hat.
Natürlich findet man das heraus, wenn man Internet und seine Suchmechanismen einsetzt. Aber ist nicht ein Poster dazu da, solche Informationen dem Interessierten oder dem nur Neugierigen an die Hand zu geben, damit dieser sich auf den Weg mach Brandenburg mache? Bei der Gelegenheit erinnerte ich mich an einen ähnlichen Vorgang, es ging um Frauen und Macht im königlichen Brandenburg / Preußen: „Mut & Anmut“. Tolles Thema, sicherlich auch gut gemacht, aber es gelang mir damals nicht herauszufinden, wo und wann die Ausstellung stattfand. Und vor allem, wie die Öffnungszeiten lagen. Hatte damals keinen Bock auf langwierige Recherchen. Zog es also vor, zu Hause zu bleiben. So sind wir nun mal, wir Hauptstädter.
Im informationellen Zeitalter auf Informationen zu verzichten, ist auf den ersten Blick leichtfertig. Die Doppelung dieses Vorgangs (und wer weiß, vielleicht war das ja noch häufiger vorgekommen) lässt vermuten, dass dahinter womöglich doch so etwas wie eine Absicht steht. „Seht her“, so vielleicht die Botschaft, „seht her, ihr blöden Hauptstädter! Wir machen ganz tolle Ausstellungen. Aber wir sagen euch nicht, wann und wo!“
Wie auch immer: ganz schön kühn, diese Brandenburger!