Das Wort wurde mir durch den Rolling Stones Song eingehämmert: „I can get no satisfaction“. Was ist satisfaction? Zufriedenheit? (als Zustand), Befriedigung? (als Prozess),
Genugtuung? (als von einem anderen zu erbringende Bestätigung der eigenen Überlegenheit oder Berechtigung). Auch Satisfaktion wäre eine Option: hier schon sehr auf den Ehrenkodex höherer Stände eingeschränkte Genugtuung.
So klar der Ablauf eines Duells geregelt war, so vage war seine Auslösung. Oft genügte bereits ein schräger Blick aus den Augen eines anderen (den der dadurch Beleidigte auszuhalten hatte, um eine „Forderung“ (zum Duell) auszusprechen. Der Geforderte hatte diese Forderung anzunehmen. Andernfalls hätte er seine Ehre verspielt.
Seit das Duell in den meisten zivilisierten Staaten verboten wurde (spätes 19. Jahrhundert), wuchs seine Verführungskraft als Reiz der bösen (weil verbotenen) Tat. Es kam zu zahlreichen illegalen Duellen, in denen der persönliche Mut der Kontrahenten höher geschätzt wurde als der waffentechnische Erfolg. So gesehen, konnte man im Duell eine Frühform des ## oder auch eine Spätform des Gottesurteils) erkennen.
In den religiös durch den Islam geprägten Kulturen ist oft der so genannte „böse Blick“ Anlass für heftige Gegenreaktion des Bedrohten. Aber auch die Bedrohung durch Fremde kann einen Zweikampf unausweichlich machen. Wenn dich heute Jugendliche mit Migrationshintergrund bedrohen, weil du sie „angeglotzt“ hättest, so steckt dahinter die Angst vor dem bösen Blick, die man nur offensiv zu überwinden vermag. Auch im europäischen Kulturkreis nutzte man in freier Natur gefundene Gegenstände „heiliger Machart“ als Abwehrzauber. Der fremde Blick des anderen lässt das Individuum schutzbedürftig / verteidigungsbedürftig erscheinen beziehungsweise sich selbst so fühlen. Hier liegt ein hohes Missverständnispotenzial.
Bei einem Besuch in der Türkei (Nähe Antalya) beobachtete ich die folgende Szene, leider nicht vom Stadium ihres Entstehens an. An einem Nachbartisch in einem Gartenlokal sassen zwei offenbar arabische Jung-Machos, bei sich einige Harems-Lehrlinge, ganz auf westlich herausgeputzt. An einem anderen, auf gleicher Höhe stehendem Tisch eine kleine Reisegruppe aus einem möglicherweise skandinavischem Land. Kurz bevor ich eintraf, scheint es zu einem Eklat gekommen zu sein, eine Skandinavierin war in Tränen aufgelöst. Die Araber hatten rüde ihr bestelltes Essen zurückgewiesen,Teller fielen zu Boden, zerbrachen.
Das türkische Personal bemühte sich um Schadenbegrenzung, wurde darin aber von den Paschas nicht unterstützt. Die Mädchen schminkten sich.
Man kann in diese Szene vieles hineininterpretieren, aber ist es völlig von der Hand zu weisen, wenn man annimmt, dass hier der „böse Blick“ eine initiale Rolle gespielt haben könnte? Die neugierigen Skandinavier hatten in dem Auftreten der Araber mit ihren Harems-Stuten wohl ein Touristenspektakel gewittert und es ausgiebig beäugt. Das war den Arabern zu viel, sie liessen die Sau aus und zeigten allen, wer hier das Sagen hat.
An dieser Stelle wurdann auch irgendwie mulmig zu Mute.