Berlin hat nur wenige Dinge, die es anderswo gar nicht gibt, also einmalig sind. Zu diesen Dingen oder wie der modebewusste jung-dynamische Deutsche sagt: Alleinstellungsmerkmalen Volk glücklich zu machen, Diese Mauer fasste einst ganz West-Berlin ein, trzählt die Mauer, Symbol für die Hilflosigkeit bei dem Versuch, das eigennte zugleich die beiden Hälften der Stadt. Diese Mauer wurde in der Euphorie des Endes der Trennung größtenteils geschleift, nur wenige Segmente blieben stehen. Das bekannteste ist die East Side Gallery entlang der Spree kurz vor der Warschauer Brücke. Bemalt von international renommierten street-art-Künstlern, wurde sie rasch zu einer Touristenattraktion.

So weit, so gut. Doch eines Tages tauchten Investoren auf, die auf einem Gelände in unmittelbarer Nähe der Gallery Luxus-Appartements bauen wollten. Sie hatten nicht nur die dazu erforderliche Baugenehmigung, sondern auch die Zusage, einen Teil der Gallery abzureißen. Öffentlicher Druck konnte damals die Schändung des Denkmals abwenden. Es folgte eine Phase der Ruhe und der Aktivitäten hinter den Kulissen, ein Kompromiss war auf dem Weg.

Heute morgen platzte dann die Bombe: Gegen 5 Uhr rückten Kranwagen an, um zwei weitere Mauersegmente abzutragen, Durch die so entstehende Öffnung soll der Baustellenverkehr rollen. Die Investoren fühlen sich im juristischen Recht, ihre Gegner im moralischen.

Was ist in diesem Staat eigentlich los?! Die Mauerreste sind fraglos denkmalwürdige Objekte, auch wenn sie noch nicht unter Denkmalschutz stehen. Es sind öffentliche Objekte, sie sind Teil der res publica. Niemand, weder Investor noch Bürgermeister dürfen nach Belieben über sie verfügen. Dazu gibt es die Volksvertretung, das Parlament. Was hier derzeit geschieht, nagt an der Substanz der res publica, der Republik, zu der wir uns ja im Namen unseres Staates auch bekennen.

Der Skandal besteht darin, dass wir immer mehr zu einem kameralistischen Denken neigen, dass wir glauben, solche Entscheidungen könnten in Kanzleien getroffen werden. Nein und wieder Nein! Sie gehören in die Öffentlichkeit, geht es doch um öffentliche Dinge! Wer das nicht begreifen kann oder will, gehört nach Zypern.