Niemand weiß im Moment, wo Gaddafi abgeblieben ist. Dabei war er vor wenigen Tagen noch voll präsent und ließ seine Luftwaffe Jagd auf sein Volk machen, Jets gegen Fußgänger, das stelle man sich einmal vor!

Dann wurde es sehr ruhig um ihn, durch den Äther schwirrte das Gerücht, er habe sich mitsamt Clan nach Venezuela abgesetzt. Dort gibt es nämlich auch Erdöl, ohne dessen Odeur diese Bakteriensippe offenbar nicht existieren kann.

Gestern nun der Auftritt im Fernsehen: Gaddafi sitzt im Auto und versichert, er sei nicht in Venezuela. Dabei hält er (selbst!) einen Schirm aufgespannt in der Hand. Einen Schirm! In der Wüste! Für 22 Sekunden Redezeit! Ja, spinnt der denn, mag so mancher denken. Nein, keineswegs, sage ich. Der wollte nur Schutz vor den Jägern seiner Luftwaffe suchen, die möglicherweise seine Anordnung noch immer zu befolgen suchen. Und woher soll so ein armer Diktator, dem doch unzählige Speichellecker die Unbilden des Alltags vom Leib zu halten trachten, wissen, dass dazu ein Regenschirm nicht ausreicht? Vielleicht war es der erste, den er selbst gehalten hat.

Inzwischen streicht er unstet durch das Land, das einmal das seine war. Wenn er eine Telefonzelle findet, wählt er das staatliche Fernsehen an und nuschelt in den Hörer: „Révolution, révolution!“. Und legt wieder auf, eigenhändig, so dass es knackt. Ein Wiedergänger, ein Untoter. Und niemand weiß, ob er den Regenschirm noch bei sich trägt. Doch wird man so zum Märtyrer? Da müsste man doch zumindest tot sein.