Um den Nichtraucherschutz ist es ja etwas stiller geworden, doch er wird kommen, in der einen oder anderen Form. Wahrscheinlich dann, wenn es gilt, Hauptkampfplätze (wie etwa die nächste Heuschreckenplage) der allgemeinen Aufmerksamkeit zu entziehen. Zeit also, sich Strategien zurecht zu legen, wohin man sich als Raucher in diesem Fall zurückziehen kann. Wenn man Glück hat, ist es dann schon Frühling und somit die Gefahr, beim Rauchen vor der Stammkneipe zu erfrieren, etwas geringer. Gleichwohl, gemütlicher wird es so auch nicht.

Ich habe die Lösung gefunden! Bei meinen letzten drei Theaterbesuchen in Folge (innerhalb von zwei Wochen) wurde in allen Fällen auf der Bühne gequalmt, was das Zeug hielt. Ich denke, rechtlich geht das in Ordnung, als Freiheit des künstlerischen Ausdrucks. Auf den Brettern, die bekanntlich die Welt bedeuten, wird diese Freiheit mit Klauen und Zähnen verteidigt, in selbstlosem heroischen Einsatz. Das beginnt bei Wedekinds „Frühlings Erwachen“ im Theater am Schiffbauerdamm (was soll man von Pubertisten auch anderes erwarten), macht vor „Rosa“ im Grips-Theater trotz dessen pädagogisch korrekten Ansatzes („Ideen zur Vor- und Nachbereitung des Stücks“) nicht Halt und erfährt einen Höhepunkt in der gewohnt aufmüpfigen Volksbühne („Geschichten aus dem Wiener Wald“). Das erscheint ja künstlerisch auch durchaus plausibel, rauchen doch neben Jugendlichen auch Proletarier und Kleinbürger typischerweise, und das kann man ja nicht einfach gestisch nur so andeuten, so realismusversessen wie unser heutiges Theater nun einmal ist.

In meiner Erinnerung ziehen andere Theaterbesuche vorüber, in denen wohl auch geraucht wurde, doch da ich in letzter Zeit wegen meiner galoppierenden Schwerhörigkeit Plätze in den vorderen Regionen des Zuschauerraums bevorzuge, erfahre ich das Passivrauchen um so intensiver. (Sehr zu empfehlen ist die zweite Reihe in den Orchesterlogen des BE, – man sieht zwar kaum etwas, doch hört um so mehr und vor allem kann man fachkundig die Zigarettenmarke am Geruch des „blauen Dunstes“ identifizieren! Im übrigen sind diese Plätze billiger als Kino, wo das Problem des Passivrauchens inzwischen ja auch schon Einzug gehalten hat. (Siehe die Glosse „Passivrauchen im Kino“ in diesem Blog.)

Man sollte strategisch vorgehen. Jede der Orchesterlogen im Theater am Schiffbauerdamm weist sieben Plätze auf, fünf davon für zehn, zwei für fünf Euro. Selbstverständlich kann man die Kosten mitteln, das ergibt dann 8,57 Euro für jeden. Da man nun nicht immer mit denselben Leuten ins Theater gehen möchte, empfehlen sich Flashmob-Aktionen unter Interessierten, die so gezielt angesetzt werden, dass alle Logenplätze lückenlos in die Hand der Flashmobber gelangen. Die Orchesterlogen haben, im Gegensatz zu anderen Theater-Séparées, den unschätzbaren Vorteil, dass sie sich in Ermangelung eines Orchesters direkt neben der Bühne und auf deren Höhe befinden. Nun braucht man nur noch die zuvor gedrehten Zigaretten auszupacken, auf das Einsatzsignal durch die Schauspieler zu waren, um dann nach Herzenslust zu schmauchen. Es merkt, da bin ich mir sicher, niemand! Durch diese gezielte Nikotinaufnahme ist der leidenschaftliche Raucher auch in die Lage versetzt, die im Theater für die Ankurbelung des Getränkekonsums unvermeidlichen Pausen zu überstehen.

Tipp für nachwachsende Rauchergenerationen: Schauspieler ist ein Traumberuf, allein schon wegen der Proben.