Im Info-Radio hörte ich ein Gespräch mit der Gründerin und Leiterin eines Berliner Lyrik-Verlags. Begleitet von mädchenhaftem Gegiggel und Gegaggel lautete fast jedes zweite Äußerung der Frau: „fand ich toll“, „spannend“, „ungeheuer aufregend“.
Wenn von einem solchen Verlag dann auch noch berichtet wird, er sei erfolgreich, lässt das Schlimmes für das Niveau der Poesie-Freunde respektive den Zustand unserer Lyrik befürchten.
Schließlich erfahren wir in dem Gespräch noch, der Verlag habe einen Gedichtband herausgebracht, bei dem Gedichttexte in die buchkünstlerische Gestaltung eingeflossen seien.
Schöner fühlen! Aber wedelt da nicht der Schwanz mit dem Hund? Vielleicht brauchen wir ja im Zeitalter von Twitter & Co einfach keine Gedichte. Mehr. Gebundene (gebändigte?) Sprache auch da, nur eben nicht durch das Versmaß, sondern durch die Anzahl der Zeichen.