Ich weiß nicht, ob es heute noch üblich ist, bei Klassenarbeiten im Fach Mathematik an das Ende einer Beweisführung das Kürzel q.e.d. der Euklidschen Formel quod erat demonstrandum zu setzen. Doch der Wissenschaftsredaktion bei Inforadio RBB scheinen beide Formen sehr präsent zu sein, denn sie benutzen sie gleichsam als Logo einer ganzen Sendereihe zum Wissenschaftsjahr. Das ist eine lockere Folge zu einzelnen Stationen des Coming of Age der deutschen Wissenschaften in Berlin: Gründung des Botanischen Gartens, Wissenschaft unter der Nazi-Herrschaft, Wissenschaft in Ost und West und vieles andere Wissenswertes mehr. Sicherlich ein verdienstvolles Projekt.
Wenn da nicht diese Beweisformel wäre, die penetrant vor und nach jedem Beitrag verkündet wird. Man fragt sich: Was sollte denn da eigentlich bewiesen werden? Ich hatte keinen Schimmer und schrieb deshalb an die Redaktion. Doch zu meinem Erstaunen wussten die es auch nicht:
”Es ging schlicht und einfach darum, dem „Kind einen Namen zu geben“. Innerhalb der Redaktion wurde darüber heiß diskutiert, wie man eine solche Sendereihe nennen sollte, heraus kam dabei „Quod erat demonstrandum”
Beweisen wollen wir damit gar nichts, höchstens, dass unsere Redakteure, die die Beiträge für diese Reihe machen, ihr Handwerk verstehen, und es schaffen, die Inhalte dem Hörer nahe zu bringen, so dass wir ein allgemein positives Echo auf unsere „Q.E.D.“-Sendungen haben. Deshalb sollte ein Name her, der 1, den wissenschaftlichen Aspekt dieser Reihe hervor hebt, 2. bekannt ist und 3. neugierig macht auf die Inhalte. Was wird denn da bewiesen? Also haben wir „Q.E.D.“ genommen. Werbung ist ja auch immer eine Sache, die jemanden auf Dauer fesseln soll, jedenfalls gilt das für unser Metier. Neuigkeiten stimmen sehr kurzlebig, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, aber die Wissenschaft hat Geschichte/n geschrieben, die bleiben.“
Dümmer geht’s nümmer.
Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier einfach nur ein lateinischer Sprachfetzen her musste, um seinen Glanz auf die Redaktion abzustrahlen. Gewissermaßen ein sprachliches Gegenstück zum Talar, der ja bekanntlich das Herausgehobene der Professorenschaft hervor- hebt und sich daher besonders in den neuen Bundesländern großer Beliebtheit erfreuen soll. Auch wenn dort noch keine Uni den Sprung in die Exzellenz-Liga geschafft hat. Dass Talare oft nur etwas verdecken, eine der zentralen Erkenntnisse der Studentenbewegung, ist leider in Vergessenheit geraten.
Trotzdem, das Beschwören eines Beweises, wenn gar nichts bewiesen werden soll, ist dumm und hätte den Verantwortlichen auffallen müssen. Es gibt doch noch andere lateinische Wendungen, mittels derer man sich ins rechte Licht hätte setzen können. Ganz vorn in der Hit-Liste: „Cogito ergo sum“. Oder wenn ein kritischer Unterton erwünscht gewesen wäre: „Cui bono?“. Meinetwegen auch: „Quo vadis?“
Angesichts des rauen sozialen Klimas in und um Berlin hätte auch ein bodenständiger Ausdruck gute Dienste getan: „Denkste!“. Das hätte die Geisteswissenschaften bei dieser naturwissenschaftslastigen Sendereihe etwas stärker einbezogen.
Kurzum, es wäre auch anders gegangen! Q.e.d.